Wohnbasics

Gemüse und Kräuter auf dem Balkon anbauen

von Katja Keweritsch

Egal ob Tomaten oder Salbei: So lange du einige gärtnerische Kniffe beachtest, klappt’s mit der reichen Ernte. Auch ohne grünen Daumen.

In diesem Artikel:

  • Voraussetzungen für Gemüse und Kräuter auf dem Balkon
  • Kübel, Hochbeet, vertikaler Garten - wie du am besten anbaust
  • Ton- oder Kunststoffbehälter für Tomaten, Gurken & Co.?
  • Die besten Balkon-Gemüsesorten für Anfänger
  • Kräuter für deinen Balkon
  • Eigene Anzucht oder Jungpflanzen kaufen?
  • Die Pflege deines Gemüse- und Kräutergartens

Schöne Pflanztöpfe für deinen Balkongarten kannst du am Ende dieses Artikels shoppen.

Voraussetzungen für den Gemüseanbau auf dem Balkon

Hier geht es vor allem um die Himmelsrichtung: Sonnenliebende Tomaten wirst du auf einem schattigen Nordbalkon kaum glücklich machen, geschweige denn zum Gedeihen bringen. Es ist also wichtig, Gemüse und Kräuter den Klimaverhältnissen auf deinem Balkon entsprechend anzubauen.

Ost- und Westbalkone eignen sich dabei für die meisten Sorten. Sie sind sonnig und luftig, aber nicht zu heiß. Einen hitzigen Südbalkon kannst du prima mit mediterranen Kräutern bevölkern. Und mit Tomaten natürlich. Was den schattigen Nordbalkon angeht: Versuch es mal mit Kresse, Dill, Bärlauch, Waldmeister (super für eine erfrischende Sommerbowle!), Rucola, Mangold, Petersilie, Spinat oder Schnittlauch. Die verzeihen wenig Licht.

Ebenso wichtig: eine ausreichende Luftzirkulation auf deinem Balkon. Sonst machen sich schnell Schädlinge breit. Auch von Zigarettenqualm geschwängerte Luft mögen Pflanzen nicht gerne. Tipp: Pflanz Gemüse und Kräuter auf deinem Balkon immer in ausreichend große Gefäße. So trocknet der Boden nicht zu schnell aus und die Pflanzen erhalten genügend Platz und Nährstoffe, um sich auszubreiten.

Kübel, Hochbeet, vertikaler Garten - wie du am besten anbaust

Der Klassiker: Blumenkasten. Hier ist es wichtig, dass du die einzelnen Pflanzen nicht zu eng setzt. Sonst kommen sich die Wurzeln in die Quere und die Pflanzen erhalten nicht genügend Nährstoffe. Gute Idee: kleine Trennwände in den Blumenkästen. Besonders wichtig ist auch ein Wasserablauf. Bohr dazu kleine Löcher in den Boden des Blumenkastens. So wird die Erde nicht faulig. Großer Vorteil von Blumenkästen: Du kannst sie am Balkongeländer befestigen. So sparen sie Platz auf kleinen Balkonen und stehen nicht im Weg rum.

Pflanzen für Blumenkästen: Gurken, Knoblauch, Chili, Kräuter, Radieschen, Buschbohnen.

 

Alternative zum Blumenkasten: der Blumentopf. Er ist ideal für einzelne Pflanzen mit starken Wurzeln, weil sie hier nicht um Platz und Nährstoffe konkurrieren müssen. Achte darauf, einen ausreichen großen Blumentopf zu wählen. Nur so kann die Pflanze gut gedeihen.

Gemüse und Kräuter für den Blumentopf: Tomaten, Stangenbohnen, Karotten, Rote Bete, Salat, Zucchini, Minze, Aubergine.

 

Wenn dein Balkon ein bisschen größer ist: stell ein Hochbeet auf. Es bietet dir super Bodenvoraussetzungen für allerlei Gemüse und Kräuter und ein entspanntes Gärtnern. Denn: Das Innenleben eines Hochbeetes wird schichtartig aufgebaut. Erst eine Drainage aus Tonscherben und Kieselsteinen bedeckt von Ästen und Zweigen, dann eine Schicht Kompost als Heizung und Nährstoffquelle, und zuletzt eine Schicht aus guter Gemüseerde. Unter solch guten Bedingungen wachsen auch starkzehrende Gemüse hervorragend.

Gemüse für das Hochbeet: Kohl, Zucchini, Tomaten, Sellerie, Rosenkohl, Grünkohl, Salat, Lauch.

Und was ist mit vertikalem Gärtnern? Immer eine gute Idee. Denn: Vertikal bedeutet ja lediglich, dass deine Töpfe und Kästen nicht alle nebeneinander auf dem Boden hocken. Nutze den ganzen Raum deines Balkons und gärtnere in die Höhe! Mit Hilfe von Blumenampeln, Etageren, Rankgittern und Podesten kannst du Gemüse und Kräuter auf unterschiedlichen Ebenen arrangieren. Tipp: Vor allem Salat wächst prima in den Schlitzen kleiner Erdsäckchen, die du an der Wand aufhängen kannst.

Verteile Gemüse und Kräuter in verschiedenen Behältnissen auf unterschiedlichen Ebenen. So nutzt du den Platz auf deinem Balkon optimal. 
Fotos: Greenbop, Shutterstock / Maria Nordgren, urbanature, Shutterstock / Elena Elisseeva

Ton- oder Kunststoffbehälter für Tomaten, Gurken & Co.?

Tontöpfe können überschüssige Feuchtigkeit aus der Erde aufnehmen und über die Wände nach außen abgeben. Bei Minusgraden können sie dadurch allerdings auch eher zerspringen, weil das Wasser in den Poren gefriert und sich dabei ausdehnt. Achte deshalb auf hochwertigen, mehrfach gebrannten Ton. Der hält unseren Wintertemperaturen Stand. Töpfe aus Ton sind schwer und eignen sich deshalb kaum zum Aufhängen. Dafür sehen sie meist hübscher aus als solche aus Kunststoff. Zudem sind sie umweltfreundlicher.

Was Kunststofftöpfe angeht: Sie sind leicht und können gut am Balkongeländer oder in einer Blumenampel aufgehängt werden. Kunststoff speichert keine Feuchtigkeit, so dass es weder Verdunstungen noch Algen oder Moose außen am Blumentopf gibt - und auch keine Risse bei MinusgradenTöpfe aus Kunststoff lassen sich gut reinigen. Es gibt sie inzwischen auch in poppigen Tönen, so dass du mit ihrer Hilfe Farbe in dein Draußenzimmer bringen kannst. Nur umweltfreundlich sind sie leider gar nicht.

 

Die besten Balkon-Gemüsesorten für Anfänger

Geduld ist etwas, das gerade Anfängern beim Gärtnern oft fehlt. Deshalb solltest du zunächst schnell und gut wachsende Gemüse anbauen. Das wirkt motivierend. Versuch es doch mit einer der folgenden Arten. Da stellt sich sicher bald ein erster Erfolg ein. Tipp: Greif anfangs auf sogenanntes Balkongemüse zurück. Das sind spezielle Züchtungen beliebter Gemüsearten, die besonders kompakt wachsen, ertragreich sind und super in Kübeln gedeihen.

  • Radieschen

Du kannst sie zwischen April und September alle zwei bis drei Wochen aussäen und schon nach etwa einem Monat ernten. Radieschen mögen es sonnig bis halbschattig. Setz sie in Reihen und lass etwa 6 cm Platz zwischen den einzelnen Pflanzen. Gute Nachbarn: Karotten, Erbsen, Tomaten, Salat, Bohnen.

  • Pflücksalat

Besonders geeignet sind hier Rucola und Lollo Rosso. Du kannst sie von März bis August an einem sonnigen bis halbschattigen Platz aussäen. Wenige Wochen später sind sie erntereif. Der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte etwa 5 cm betragen. Tipp: Wenn du Feldsalat zwischen Juli und April säst, kannst du auch im Winter frischen Salat ernten. Don’t: Pflücksalat neben Sellerie, Petersilie oder Rüben setzen.

  • Zuckererbsen

Brauchen einen sonnigen Platz und nährstoffreiche, lockere Erde. Du kannst sie zwischen April und Juli aussäen – am besten immer drei oder vier Pflanzen um eine Rankhilfe herum. Achte darauf, die Pflanzen etwa 5 cm tief in mindestens 30 cm hohe Gefäße zu setzen. Gute Nachbarn: Salat, Karotten, Radieschen, Dill.

  • Karotten

Lieben pralle Sonne und gleichmäßig feuchte Erde – aber keine Staunässe. Du kannst sie zwischen März und Juni pflanzen. Achte auf einen Abstand von 5 cm zwischen den Pflanzen und eine Saattiefe von etwa 3 cm. Karotten benötigen ausreichend Platz nach unten – 40 cm Topfhöhe sind Minimum. Tipp: Mit Zwiebeln als Nachbarn schaffst du eine gute Abwehr gegen Möhrenfliegen. Gute Nachbarn: Tomaten, Erbsen, Salat, Dill.

  • Buschbohnen

Du kannst sie entweder an einer Rankhilfe oder dem Balkongeländer hochwachsen lassen. Aussaat ist zwischen Mai und Juli. Halte einen Abstand von etwa 5 cm zwischen Löchern ein, in die du jeweils vier Samen setzt. Don’t: Erbsen, Zwiebeln oder Lauch neben Buschbohnen pflanzen. Gute Nachbarn: Gurken, Salat, Tomaten, Radieschen.

  • Tomaten

Brauchen viel Sonne und Wasser. Du kannst vorgezogene Pflanzen ab Mitte Mai in Reihen setzen. Achte auf große Töpfe und ausreichend Platz, um jeder einzelnen Pflanze eine Rankhilfe zur Seite stellen zu können.

  • Gurken

Brauchen viel Sonne und Wasser. Ab Mitte Mai kannst du mit der Aussaat beginnen. Gute Nachbarn: Buschbohnen, Dill.

 

Kräuter für deinen Balkon

So wie Gemüse haben auch Kräuter bestimmte Standortvorlieben, auf die du Rücksicht nehmen solltest: Mediterrane Sonnenanbeter wie Rosmarin und Salbei gieren nach einem Platz in vorderster Reihe. Waldmeister und Petersilie hingegen sind glücklicher mit einem Leben im Halbschatten. Auf einem Ost- oder Westbalkon kannst du trotzdem alle gemeinsam anbauen. Der Trick: vertikales Gärtnern. Arrangiere die Kräuter auf unterschiedlichen Ebenen und schaffe sonnige Plätze und schattige Nischen. So kannst du beim Kräutersortiment aus dem Vollen schöpfen.

Achte darauf, die Pflanzgefäße immer groß genug zu wählen - nur Thymian-Arten sind genügsam genug für kleine Töpfe. Wichtig für Mittelmeer-Kräuter: trockene Füße. Mit einer mindestens 2 cm dicken Schicht aus Tonscherben, Kies oder Blähtonkügelchen sorgst du für einen raschen Wasserablauf. Tipp: Misch Balkon- oder Kübelpflanzenerde mit kalkhaltigem Sand oder Kies. Sie ist sonst zu nahrhaft - deine Kräuter schießen in die Höhe und schmecken nicht.

Was den Winter angeht: Kälteempfindliche Mittelmeerkräuter brauchen ein frostfreies Quartier in einer ungeheizten Garage oder einem Keller. Dafür musst du die Topferde allerdings sehr trocken halten, damit sie nicht schimmelt. Besser: ein helles Plätzchen in einem frostfreien Gewächshaus oder einer Loggia.

 

Tomaten sind der Deutschen liebstes Balkongemüse. Achte auf viel Sonne, ausreichend Wasser und eine stabile Rankhilfe. 
Fotos: Shutterstock: Chicco Dodi FC, Agenturfotografin 

Eigene Anzucht oder Jungpflanzen kaufen?

Wenn dein Leben als Balkongärtner noch in den Kinderschuhen steckt, solltest du auf vorgezogene Jungpflanzen aus dem Gartencenter oder dem Markt zurückgreifen. Konzentrier dich auf eine gute Pflege – das reicht fürs erste Jahr. Fortgeschrittene Gärtner sollten es allerdings tatsächlich mal mit selbst gezüchteten Gemüsepflanzen versuchen. Denn: Zum einen ist das preisgünstiger. Und zum anderen hast du auf diese Weise sehr viel mehr Auswahl was spezielle Sorten angeht.

Zur Anzucht von Gemüsepflanzen benötigst du kleine Anzuchtbehälter, Sonne, Wasser und Anzuchterde. Ab Anfang März kannst du die Samen einpflanzen. Wenn dann die ersten Keimlinge wachsen, musst du zu eng stehende Pflanzen vereinzeln (pikieren). Nur so erhalten sie genug Platz und Nährstoffe, um weiter wachsen zu können. Bester Zeitpunkt: Wenn sich die ersten beiden Blätter am Keimling gebildet haben. Scheu dich nicht, kleine oder kaputte Pflanzen auszusortieren. Nur die größten und stärksten Keimlinge tragen später gutes Gemüse. Löse die Keimlinge vorsichtig aus dem Anzuchtbehälter und pflanz sie einzeln in größere Töpfe um – und zwar so tief, dass nur noch die beiden Blätter herausschauen.

Auf einem windgeschützten, Südbalkon kannst du deine Pflänzchen schon ab Mitte April nach draußen stellen. Bei Ost- und Westbalkonen solltest du damit bis Mitte Mai warten. Das gleiche gilt für die kühleren Nordbalkone.

Die Pflege deines Gemüse- und Kräutergartens

Wasser und Dünger – das brauchen Gemüse und Kräuter zum Gedeihen. Als Faustregel für den Wasserbedarf gilt dabei: Je größer und weicher die Blätter einer Pflanze sind, desto mehr Wasser benötigt sie. An heißen Tagen musst du deshalb täglich gießen - am besten morgens, wenn es noch kühl ist und das Wasser nicht gleich wieder verdunstet. Tipp: Gieß so lange bis das erste Wasser unten aus dem Pflanzgefäß rinnt. Nur so kannst du sicher sein, dass es wirklich bis zur Hauptwurzel vorgedrungen ist. Generell gilt:  nur den Wurzelbereich gießen und die Pflanze selbst trocken lassen. Sonst kommt es leicht zu Infektionen. Das beste Gießwasser ist übrigens Regenwasser: Es ist weich und hat die Temperatur der Außenluft.

Was das Düngen angeht: Die Erde kleiner Blumentöpfe enthält wesentlich weniger Nährstoffe als ein Gemüsebeet im Garten. Deshalb ist Düngen für eine reiche Balkonernte unerlässlich. Wichtig ist dabei die richtige Dosierung – jede Gemüse- und Kräutersorte hat einen anderen Bedarf. Zu viel Dünger lässt die Pflanzen genauso eingehen wie zu wenig. Erkundige dich beim Kauf von Jungpflanzen, wieviel Dünger sie benötigen. Solltest du deine Pflanzen selbst ziehen: Auf der Packung steht normalerweise die empfohlene Dosierung. Generell gilt: Samen, Keimlinge und Jungpflanzen benötigen noch keine zusätzlichen Nährstoffe. Erst ab Juni solltest du deine Gemüsepflanzen alle ein bis zwei Wochen düngen.

Schöne Pflanzgefäße für deinen Balkongarten

Bilder im Aufmacher: Shutterstock / Naviya

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