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Video: Das „supernormale“ Design von Jasper Morrison

von Bianka Echtermeyer

Form wird überbewertet, sagt der Designstar Jasper Morrison. Er liebt das „Supernormale“. Eine Retrospektive in Zürich zeigte gerade seine Arbeit.

Zu seiner eigenen Retrospektive zu kommen, war für Jasper Morrison bestimmt nicht leicht. Der 56-jährige Produkt- und Möbeldesigner aus London ist die personifizierte Bescheidenheit. Wichtig sind die guten Materialien und die Funktionalität von Produkten, nicht, dass man den Designer erkennt, sagt er immer wieder über seine Arbeit.

Das ist ein guter Vorsatz, aber trotz aller britischen Zurückhaltung ist Jasper Morrison eben doch einer der wichtigsten Designer der Gegenwart geworden. Studiert hat er in den 1980er-Jahren in London und eröffnete 1986 sein erstes Büro. Und das ziemlich erfolgreich, denn er arbeitet bald für Firmen wie Vitra, Alessi, Flos oder Cappellini. Seine Sofas, Stühle, Gläser und Lampen verkaufen sich nicht nur weltweit, einzelne Designs werden inzwischen auch im MoMA in New York ausgestellt. Das Museum für Gestaltung in Zürich zeigte kürzlich die erste Retrospektive über sein Werk.

Morrison optimiert Alltagsgegenstände

„Jasper Morrison vertritt eine klare Haltung im Design“, sagt der Kurator der Ausstellung, Christian Brändle. Er nimmt klassische Formen aus dem Alltag, beispielsweise ein einfaches Weinglas, und verbessert es leicht. Der Designer ist dadurch nicht erkennbar, aber das Produkt strahlt trotzdem etwas Besonderes aus. „Supernormal“, diesen Begriff hat Jasper Morrison zusammen mit dem Japaner Naoto Fukasawa dafür erfunden.

Viele loben Jasper Morrison als König des Minimalismus, aber der Begriff passt ihm gar nicht. Seine Formen seien zwar einfach, aber mit dem „maximal möglichen Effekt, dem maximalen Komfort und dem maximal atmosphärischen Unterschied im positiven Sinne“, sagte er einmal in einem Interview mit der FAZ.

Gar nicht supernormal ist allerdings die Bandbreite seiner Projekte. Jasper Morrison hat nicht nur Möbel- und Gebrauchsgegenstände entworfen, sondern auch eine Straßenbahn für Hannover und eine Bushaltestelle für das Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein. „Ich habe mich sehr nützlich gefühlt“, meint er schlicht dazu.

Foto im Aufmacher: Für die Ausstellung im Museum für Gestaltung in Zürich hat Jasper Morrison auch seine Lieblingsstücke aus dem Archiv des Hauses zusammengestellt. Fotos: Kento Mori, Museum für Gestaltung Zürich

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