Der Bauhaus-Stil: Einfach, wunderschön & funktionial

von KATJA KEWERITSCH - 13.01.2019

100 Jahre Bauhaus – zum Jubiläum zeigen wir, dass die klaren Formen des Bauhaus-Stils und ihr Sinn fürs Praktische heute aktueller sind denn je.

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Was genau ist eigentlich der Bauhausstil?

Das Bauhaus gilt als eine der bedeutendsten Kunstschulen und Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts - obwohl es nur 14 Jahre bestand. Es wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet und musste 1933 nach der Machtergreifung Hitlers schließen. Viele Schüler und Professoren emigrierten daraufhin und verbreiteten die Ideen des Bauhauses in aller Welt.  Die zentrale Idee des Bauhauses: Ein Gegenstand muss zugleich einfach, schön, funktional und für alle zugänglich sein – eine Sicht auf Design, die heute allgemeingültig ist. Man wollte die Menschen vor Schnörkeln und Plüsch retten und sich an schlichten, geometrischen Grundformen orientieren. Zudem sollte nicht länger zwischen Handwerk und Kunst unterschieden werden. Beides sollte vielmehr mit der Industrie eine Einheit bilden, damit alle Dinge gleichzeitig hoch künstlerisch, funktional, innovativ und serienmäßig herzustellen seien.

Berühmte Bauhaus-Künstler:  • Walter Gropius – Architekt, Initiator, Gründer und erster Direktor des Bauhauses  • Ludwig Mies van der Rohe – Architekt und dritter Direktor des Bauhauses, Erfinder der Freischwinger-Stühle und des Barcelona-Chair, von ihm stammt die Formel: weniger ist mehr  • Marcel Breuer – Architekt, Leiter der Möbelwerkstatt in Dessau, Erfinder der Stahlrohrmöbel  • Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger – Maler und Bauhausmeister  • Gunta Stölzl – Meisterin am Bauhaus, Leiterin der Weberei, sie gilt als Erneuerin der Handwebkunst

Kritik am Bauhaus: Mit seiner kühlen, weißen, sachlichen Architektur wirft man den Bauhaus-Architekten oft vor, Plattenbauten und die Trostlosigkeit mancher Hochhaussiedlungen erst ermöglicht zu haben. In seiner besten Umsetzung kann man Bauhaus-Architektur heute in Tel Aviv betrachten – die weiße Stadt gilt als größtes Bauhaus-Ensemble der Welt.

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Die Stahlrohrstühle von Marcel Breuer für Thonet

Inspiriert vom Lenker seines neuen Adler-Fahrrads entwarf Marcel Breuer 1924 am Bauhaus seine ersten Möbel aus Stahlrohr. Ein Material wie geschaffen für das industrielle Zeitalter: stabil und hygienisch mit einer hohen Tragfähigkeit, niedrigen Rohstoffkosten und einer guten Formbarkeit.  1927 setzte Breuer die minimalistische Idee des Bauhauses konsequent um und entwarf einen Freischwinger-Stuhl ohne Hinterbeine – heute bekannt als Cesca. Ab 1929 übernahm die Firma Thonet (die vor allem für ihren Kaffeehausstuhl aus Bugholz berühmt war) die Produktionsrechte.  Die Cesca-Freischwinger sind bis heute Bestseller, gelten zurecht als Ikonen des Bauhauses und sind Meilensteine der Designgeschichte. Oder wie Breuer es formulierte: Die Stühle sind luftig durchbrochen, um weder die Bewegung noch den Blick durch den Raum zu hindern.

Die Metalllampen Kaiser-Idell von Christian Dell

Christian Dell war Silberschmied, Lehrer für Industriedesign und Meister am Bauhaus. Mit Liebe zum Detail leitete er von 1922 bis 1925 die Metallwerkstatt des Bauhauses in Weimar. Schließlich spezialisierte er sich auf das Design von Leuchten. Dabei experimentierte er mit verschiedenen Werkstoffen von Bakelit über Metall bis hin zu Harnstoffharzen. Seine berühmtesten Entwürfe entstanden für die Firma Gebr. Kaiser & Co. aus Neheim-Hüsten: die Kaiser-Idell Lampen (ein Wortspiel aus dem Namen des Fabrikanten und einer Zusammensetzung aus Idee und Dell). Mit ihrer reduzierten Bauhaus-Ästhetik und neuen Standards in Bezug auf Ergonomie und Lichtlenkung, machten die Kaiser-Idell-Lampen sogar Filmkarriere: Sowohl in Dr. Mabuse als auch in der TV-Serie Der Kommissar sorgten Christian Dells Lampen für Erleuchtung.

Ludwig Mies van der Rohe und der Barcelona-Chair

Ludwig Mies van der Rohe gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Moderne. Er prägte die markante Formel: weniger ist mehr. Seine Gebäude aus Stahl mit großflächigen Verglasungen (sogenannte Haut-und-Knochen-Architektur) beeinflussen noch heute das aktuelle Design.  Er wurde von 1930 bis zur Auflösung 1933 der dritte Direktor des Bauhauses. Da sein Werk aber sowohl vor als auch nach diesen Jahren große Bedeutung erlangte, kann man Mies van der Rohe schwer auf diese kurze Zeit reduzieren. Eine seiner bekanntesten Schöpfungen ist der Barcelona-Pavillon, den er für die Weltausstellung 1929 in Barcelona schuf. Als Interieur dienten von ihm designte Möbel – u.a. der sogenannte Barcelona-Sessel. Zwei Exemplare waren für das spanische Königspaar gedacht, das jedoch nie darauf Platz nahm. Dennoch gilt der Barcelona-Sessel bis heute als Sinnbild der Moderne.

Bauhaus: Anni Albers geometrisches Textildesign

„Kunst ist etwas, das dich mit einer besonderen Art von Glücksgefühl atmen lässt“, sagte Anni Albers. Sie kam 1922 ans Bauhaus, wo sie in der Weberei arbeitete – notgedrungen, da Frauen der Zugang zu den anderen Werkstätten (Tischlerei, Metall, Steinbildhauerei, Keramik etc.) untersagt war.  Unter Gunta Stölzl experimentierte Anni Albers mit Materialien und Techniken und schuf die Grundlage ihrer späteren Arbeit. Ab 1931 übernahm sie für zwei Jahre die Leitung der Weberei-Werkstatt. Mit der Machtergreifung Hitlers floh Anni Albers mit ihrem Mann aus Deutschland und emigrierte nach Amerika. Dort lehrte sie zunächst an einer Universität, bevor sie sich als Textildesignerin selbständig machte.  Ihre abstrakten, geometrisch gemusterten Textilien scheinen wie Blaupausen von Mustern zu sein, die heute besonders angesagt sind.

Ein Kassenschlager: die Wagenfeld-Leuchte

Vom richtigen Leben mit den richtigen Dingen – das war die Devise von Wilhelm Wagenfeld, einem Industriedesigner, der wohl zu bekanntesten Bauhaus-Schülern zählt. Er nahm das Bauhaus-Konzept Form folgt Funktion sehr ernst: Er ließ seine Entwürfe von Praktikern überprüfen, so dass er die wirklich beste Form für die geplante Funktion eines Gegenstands entwerfen konnte.  Sein wohl berühmtestes Werk ist die sogenannte Wagenfeld- oder Bauhaus-Leuchte, die er 1923 in der Metallwerkstatt des Bauhauses Weimar entwarf. Als er sie ein Jahr später auf der Leipziger Messe für 18 Mark das Stück verkaufen wollte, war das Echo zunächst verhalten. Dabei gilt die Lampe mit ihrem Schirm in Form einer 5/8 Kugel aus Opalglas als erste elektrische Leuchte, die das Licht angenehm streute.  Noch heute wird die Wagenfeld-Leuchte von der Bremer Firma Tecnolumen in verschiedenen lizensierten Reeditionen produziert – ein absoluter Kassenschlager.

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