Wohntrends

Interview mit Julia vom Teppich-Label Berberlin

von Rebecca Rauch

Wie wohnt jemand, der beruflich mit wunderschönen Teppichen zu tun hat und welche Tipps hat ein Teppich-Profi? Julia von Berberlin hat es uns verraten.

Julia und ihr Mann Nido betreiben gemeinsam das Teppich-Label Berberlin. Wie sie auf die Gründungsidee kamen, wo Julia als Teppichexpertin den Teppich hinlegen würde und was die Sonne mit der Teppichpflege zu tun hat, erfahrt ihr im Interview. Außerdem hat Julia ein paar schöne Geschenke für Weihnachten ausgesucht.

Liebe Julia, wie kamst du auf die Idee, mit Teppichen zu handeln?

Mein Mann kommt ursprünglich aus Tunesien und bei unseren Besuchen fielen mir diese wunderschönen, farbenfrohen Teppiche auf, die ich noch nie irgendwo gesehen hatte. Ich fing an, mehr und mehr davon mitzubringen und nach kurzer Zeit fragten Freunde und Familie, ob ich ihnen nicht auch einen mitbringen könnte. So fing es ganz von selbst an. Als ich schwanger war, hatte ich dann die Idee, daraus mein neues Business aufzubauen. Es schien sich nämlich auch gut mit dem Muttersein vereinbaren zu lassen. Als unser Sohn dann da war, konnte mein Mann, der eigentlich Ingenieur ist, sich nicht mehr vorstellen, den ganzen Tag weg zu sein. Und so beschlossen wir, das gemeinsam und richtig professionell zu machen.

Wie gehst du beim Aussuchen der Teppiche vor? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit du dich für einen Teppich entscheidest?

Neben der Qualität müssen natürlich auch die Farben und Muster stimmen. Ich suche eigentlich immer das aus, was mit gefällt und merke, dass es auch das ist, was gut ankommt. Mein Mann hat ab und zu eine andere Meinung, aber das bereichert das Ganze, weil wir dadurch mehr als nur einen Geschmack repräsentieren.

Wo findest du deine Teppiche?

Wir fahren kreuz und quer durch Tunesien und Marokko und suchen bei kleinen Familien-Webereien und kleinen Händlern nach den richtigen Stücken. Mittlerweile haben wir gute Kontakte aufgebaut, sodass unsere Partner schon etwas zur Seite legen, wenn sie denken, dass es uns gefallen könnte.

Wenn man nur einen Teppich hat, wo sollte man den deiner Meinung nach hinlegen?

Ins Wohnzimmer. Am liebsten vor das Sofa. So hat man die Füße warm, wenn man dort sitzt. Oder man sitzt gleich auf dem Fußboden, was man ja mit Kindern eh meist tut.

Teppiche können ganz schön teuer sein. Hast du ein paar Tipps, wie man auch mit einem etwas schmaleren Portemonnaie an einen tollen Teppich kommt?

Ein Teppich ist eine Investition, die länger als eine Saison oder ein paar Jahre hält. Deswegen sollte man auf gute Qualität achten, denn ein guter Teppich kann Generationen überdauern. Daher ist der Preis letztendlich relativ. Wir versuchen, so günstig wie möglich zu bleiben und dabei gleichzeitig auf faire Bezahlung und gute Qualität zu achten.

Wie ermittelt man die perfekte Teppichgröße für einen Raum?

Ich denke, das ist Gefühlssache. Ein großer Teppich wirkt großzügig und schafft Weite. Kleine Teppiche können Akzente setzten, gerade wenn sie bunt sind.

Wie stehst du zu Badteppichen - gibt es da schöne Alternativen zu den üblichen Badematten?

Das Badezimmer ist ja inzwischen auch Wohnraum geworden. Ich verbringe gerne Zeit im Bad. Wir haben momentan einen Boucherouite (marrokanischer Flickenteppich, Anm. d. Red.) auf den Fliesen liegen. Der ist zu hundert Prozent aus recycelter Baumwolle gearbeitet. So kann man ihn auch mal im Schonwaschgang waschen. Aber auch Kelims aus Wolle eigenen sich, da Wolle perse antibakteriell wirkt.

Wie hat man möglichst lange Freude an einem Teppich?

Regelmäßig staubsaugen, ab und zu ausklopfen und auch mal in die Sonne hängen. Die Sonne bewirkt Wunder, nicht nur bei uns Menschen.

Momentan ist der Lagen-Look bei Teppichen ja ziemlich angesagt. Eigentlich hört sich das ja ganz einfach an. Gibt es dennoch etwas, das man falsch machen kann?

Ich liebe es, zu mixen und zu matchen. Und ich persönlich finde, dass es keine wirklichen Regeln gibt. Aber sobald es zu sehr Ton in Ton geht, verliert es die Spontanität. Allerdings mag ich es auch gerne, wenn Naturfarben in neutraleren Interieurs gemischt werden, so wie Beige, Weiß und Grau. Das ist immer harmonisch und wirkt edel. Allerdings kommt bei mir irgendwo immer etwas Farbe dazu, das macht einfach mehr Spaß.

Wie und wo inspirierst du dich?

Inspiration ist überall. Ich habe lange als Künstlerin und Fotografin gearbeitet und habe einfach die Angewohnheit, alles visuell aufzusaugen. Die Natur hat ja schon viel zu bieten, aber auch die Mode und einfach das Alltägliche. Ich liebe es zu beobachten, wie Farben wirken und sie miteinander zu kombinieren.

Deine drei liebsten Instagram-Accounts?

Oh da gibt es so viele…

  • Igorjosif - hat eine wunderschöne Wohnung, genau nach unserem Geschmack, etwas Boho und viele Pflanzen und besondere Dinge
  • marta wilkosz - für die besten Street Styles der älteren Generation
  • Wholygoodness - für super leckere Rezeptideen

Wie bist du privat eingerichtet, gibt es einen Wohnstil, den du besonders magst?

Wir haben zu Hause eine Kombination von Klassikern, zum Beispiel Thonet-Stühle und den James Eiffel Chair von Vitra, die wir zur Hochzeit bekommen haben und mit denen wir alt werden wollen. Dann habe ich mal second hand zwei schöne dänische Hans Wegner Teak-Sessel erworben, die auch schon ein Vorleben hatten. Wir haben einen Beton-Schreibtisch von dem Berliner Designer Sigurd Larsen und eine Küche von Poliform. Auf unserem Sofa stapeln sich unsere bunten Berberlin-Kissen und unser Esstisch ist aus den letzten alten Dielen gebaut, die wir bei unseren Renovierungen noch retten konnten. An den Wänden hängen Bilder von jungen Künstlern aus kleinen Galerien. Die Möbel sind hauptsächlich aus Naturmaterialien und in Weiß, Schwarz, Grau und holzfarben gehalten. Die Farbe kommt dann mit unseren Teppichen und Kissen dazu, so liegen natürlich überall unsere geliebten Berberteppiche aus Marokko und Tunesien.

Wo ist dein Lieblingsplatz bei dir zu Hause?

In unserer Wohnküche. Hier spielt sich unser Leben ab.

Teppiche vom Label Berberlin aus Berlin
Teppiche ziehen sich wie ein roter Faden durch die Wohnung. Für besonders warme Füße liegt ein Teppich vor der Küchenzeile (rechts).
Foto: Berberlin
Teppiche von Berberlin vor dem Bett und vor dem Sofa
Vor dem Bett macht sich ein Teppich gut (links). Doch wenn Julia nur einen Teppich zur Verfügung hätte,  dann würde sie ihn vors Sofa legen (rechts).
Foto: Berberlin
Viele Teppiche von Berberlin
Bei so vielen Teppichen kann man sich gar nicht entscheiden (links). In der gemütlichen Küche spielt sich bei Julia, Nido und Junes alles ab - das Herzstück der Wohnung (rechts).
Foto: Berberlin
Ein Flickenteppich von Berberlin unter dem Couchtisch und Julia mit ihrem Sohn.
Julia mit ihrem Sohn Junes (links). Ein Mini-Flickenteppich unter dem Couchtisch (rechts).
Foto: Berberlin

Bald ist Weihnachten. Hast du Lust, deine Lieblingsprodukte zu zeigen, die du gerne verschenken oder gerne geschenkt bekommen würdest?

Geschnkideen von Julia von Berberlin

Es sind sogar elf geworden ;)

  1. Für meinen Vater eine schöne Gießkanne, der ist, seitdem er Rentner ist, ganz wild aufs Gärtnern.
  2. Ein goldenes Milchkännchen, weil man es auch als Vase benutzen kann.
  3. Diese Espressomaschine wäre voll super in unserem Showroom. Klein und schick und ich mag keine Vollautomaten.
  4. Goldenes Besteck darf auf keiner Dinnerparty fehlen.
  5. Leinen-Bettwäsche fühlt sich gut an und sieht gut aus, auch wenn sie verknittert ist.
  6. Einen Olivenbaum, weil sie immer schöner und mit einem alt werden, wie unsere Teppiche.
  7. Ein bunter Teller aus Bambus, weil Porzellan erst wieder auf den Tisch kommt, wenn die Kinder größer sind und weil Bambus nachhaltig ist.
  8. Diese schönen Kinderbademäntel kenne ich noch von früher.
  9. Eine schöne Trinkflasche, weil Wegwerfflaschen gar nicht gehen und die hier auch viel besser aussieht.
  10. Junes soll dieses Jahr eine Küche bekommen, er liebt kochen.
  11. Ein goldenes Teesieb, weil wir viel Tee trinken und Teesiebe selten so schön aussehen.

Liebe Julia, vielen Dank für das Interview!

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