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Fünf Leuchten-Klassiker und ihre Doppelgänger

von Katja Keweritsch

Wenn wir groß sind, kaufen wir uns das Original, zum Beispiel die Artischocke von Poul Henningsen. Bis dahin hängen wir uns einfach den günstigeren Doppelgänger auf.

In diesem Artikel:

  • Die Pendelleuchte PH5 von Poul Henningsen - Pionier des blendfreien Lichts
  • Die Schreibtischleuchte Tolomeo Tavolo von Artemide - oscargekrönt
  • Der Artischockenzapfen von Louis Poulsen – eine Designikone
  • Die Pendelleuchte Semi von Gubi - Schatzjäger des Interiordesigns
  • Die Bogenleuchte Twiggy von Foscarini – Liebling der Magazine

Die Pendelleuchte PH5 von Poul Henningsen - Pionier des blendfreien Lichts

Pendelleuchte PH5 von Poul Henningsen und seine Doppelgänger
Ganz links leuchtet Poul Henningsens PH5 in modernem, pudrigem Rosa. Ihre Doppelgänger spielen ebenfalls mit Farbe und ein wenig auch mit der Form der Schirme. Von links: Mirror von Nordlux, Saturn von Nordlux, y1956 von Hersta – alle über home24.
Foto v.l.: Louis Poulsen, 2x Nordlux über home24, Hersta über home24

Der dänische Designer Poul Henningsen war genervt. In den 50er Jahren änderten sich ständig Größe und Form der Leuchtmittel, was ihm das Entwerfen von Lampen ungleich erschwerte. Also kreierte er 1958 eine Leuchte, in die sich von Christbaumkerzen bis hin zu 100-Watt-Birnen alles einsetzen ließ: die PH5, betitelt mit seinen Initialen und der Größe des Lampenschirms, wobei die 5 für 50 Zentimeter steht.

Neben ihrer Flexibilität was das Leuchtmittel angeht war die PH5 noch auf einem anderen Gebiet ein Pionier: Sie spendete absolut blendfreies Licht, unabhängig von Aufhängungsort und Leuchtmittel. Und das ist bis heute so geblieben. Das markante Dreischirmsystem wird noch immer vom dänischen Hersteller Louis Poulsen vertrieben, in stets neuen Farbvarianten von Pastelltönen bis hin zu Hochglanz-Modellen.

Ihre Doppelgänger:

Die Schreibtischleuchte Tolomeo Tavolo von Artemide - oscargekrönt

Schreibtischleuchte Tolomeo Tavolo von Artemide und seine Doppelgänger
Mit der kleinen Schreibtischleuchte Tolomeo Tavolo begann der Siegeszug der großen Tolomeo-Reihe von Artemide. Viele Hersteller von Bürolampen haben sich das Knickprinzip des Lampenständers heute zu Eigen gemacht. Von links: Tolomeo Tavolo von Artemide über Leuchtenland, Office, Sara und Olla - alle von clickt-licht.de
Fotos v.l.: Leuchtenland, 3 x clickt-licht.de

Benannt nach der vierzehnten Oper von Georg Friedrich Händel hat die Schreibtischleuchte Tolomeo Tavolo des italienischen Herstellers Artemide inzwischen Kultstatus erreicht. Michele De Lucchi und Giancarlo Fassina entwarfen sie 1987 als erstes Modell einer ganzen Reihe von Tolomeo-Leuchten, die unter anderem mit dem italienischen Oscar für zeitgenössisches Design, dem Compasso d’Oro, ausgezeichnet sind.

Die Tolomeo Tavolo ist an Kopf und Arm individuell ausrichtbar, so dass der Arbeitsbereich blendfrei beleuchtet wird. Es gibt sie sowohl mit Standfuß als auch mit Wandbefestigung, Tischklemme oder Schraubmechanismus. Durch das Federausgleichssystem lassen sie sich zudem leicht und stufenlos an einem kleinen Haken am Lampenschirm verstellen. Außerdem denkt Artemide an die Zukunft: Fast alle Modelle der Tolomeo-Reihe gibt es inzwischen mit ressourcenschonender LED-Technik.

Ihre Doppelgänger:

alle von clickt-licht.de

Der Artischockenzapfen von Louis Poulsen – eine Designikone

Der Artischockenzapfen von Louis Poulsen und seine Doppelgänger
Die PH Artichoke von Louis Poulsen (ganz links) inspirierte viele Designer zu ähnlich skulpturalen Entwürfen. Von links: PH Artichoke von Louis Poulsen, Silvia von Vita Copenhagen und Retla von Loistaa – beide über Home24, Motion von Nordlux
Fotos v.l.: Louis Poulsen, Vita Copenhagen über home24, Loistaa über home24, Nordlux

Da die erste PH Artichoke für ein Restaurant kreiert wurde, wundert es kaum, dass sich der dänische Designer Poul Henningsen von Gemüse (genauer gesagt: einer Artischockenblüte) inspirieren ließ. Dabei spenden die 72 Blätter in zwölf Reihen ein rundum symmetrisches, diffuses Licht - absolut blendfrei. Die skulpturale Form der Lampe hat inzwischen einen Status als Designikone. Auch heute wird sie noch größtenteils in Handarbeit gefertigt, um erstklassige Qualität zu gewährleisten.

Seine grandiosen Entwürfe verwirklichte Poul Henningsen gemeinsam mit Louis Poulsen, dem Inhaber einer Firma zur Herstellung von Maschinen und Werkzeugen in Kopenhagen. Die beiden beschlossen 1924 an einer internationalen Ausstellung für dekorative Kunst und Industriedesign in Paris teilzunehmen – das war der Anfang. Später spezialisierten sie sich auf Leuchten und wurden zu Vorreitern des dänischen Designs.

Ihre Doppelgänger:

Die Pendelleuchte Semi von Gubi - Schatzjäger des Interiordesigns

Pendelleuchte Semi von Gubi und seine günstigeren Doppelgänger
Die Form vieler Pendelleuchten lehnt sich heute an das Design von Semi (links) an, wobei es meist nicht mehr ganz so radikal umgesetzt wird. Von links: Semi von Gubi, Anniversary von Nordlux, Concha von Näve über Home24, Float39 von Nordlux über Home24, Classico von Lux über Home24
Fotos v.l.: Gubi, Nordlux, Näve über Home24, Nordlux über Home24, Lux über Home24

Es ist eine klassische Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte: Die beiden Architekturstudenten Claus Bonderup und Torsten Thorup entwarfen die Pendelleuchte Semi 1968 für einen Wettbewerb ihrer Hochschule. Sie setzten sie aus zwei Viertelkreisen zusammen (daher der Name Semi), um der damals eher flauschigen dänischen Einrichtungsmode klare geometrische Linien entgegenzusetzen. Zudem statteten sie Semi mit einer verspiegelten Glühbirne aus, um so viel Licht wie möglich zu erzeugen ohne zu blenden.

Claus Bonderup und Torsten Thorup gewannen nicht nur den Wettbewerb. Mit Semi schufen sie eine Pendelleuchte, die in den 80er Jahren Kultstatus erlangte und heute zu den Bestsellern des familiengeführten, dänischen Designhauses Gubi zählt, das sich selbst als Schatzjäger und Bewahrer zeitlosen Designs betrachtet.

Ihre Doppelgänger:

Die Bogenleuchte Twiggy von Foscarini – Liebling der Magazine

Bogenleuchte Twiggy von Foscarini und seine preiswerteren Doppelgänger
Twiggy (links) sieht aus wie eine Angelrute, die jemand in den Boden gesteckt hat. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben, mit denen auch ihre Lookalikes spielen. Von links: Twiggy von Foscarini über Leuchtenland, Gooseneck von Kare Design über home24, Stockholm von Loistaa über home24
Fotos v.l.: Leuchtenland, Kare Design über home24, Loistaa über home24

Angeblich begann alles mit einer Angelrute. Marc Sadler, ein österreichischer Designer mit französischem Pass, spazierte 2006 in das italienische Büro von Carlo Urbinati und Allessandro Vecchiat von Foscarini – mit einer Angelrute. Sie hatte ihn zum Entwurf einer äußerst grazilen, aber dennoch biegsamen Bogenleuchte inspiriert: Twiggy.

Da Foscarini keine eigene Produktionsstätte besitzt, kann das italienische Unternehmen für jeden Entwurf einen passenden Hersteller wählen und bleibt dadurch besonders flexibel was das Experimentieren mit neuen Materialien angeht. So besteht der demontierbare Ständer von Twiggy aus einem Glasfaserverbundmaterial. Der blendfreie Lampenschirm ist mit einer transparenten Schutzplatte aus Polycarbonat versehen, die das Licht zur Decke reflektiert, und der untere Diffusor besteht aus Polymethylmethacrylat (PMMA), das innen mit einer Vielzahl an Prismen glänzt. Twiggy ist High-Tech in einem äußerst wohnlichen Gewand.

Das Original:

Ihre Doppelgänger:

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