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Die Lampe Zettel’z von Ingo Maurer – ein Designklassiker

von Laura Drühe

Die Pendelleuchte Zettel’z von Ingo Maurer ist ein Designklassiker, den jeder so gestalten kann, wie er will. Was für eine schöne Zettelwirtschaft!

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und das führt im Falle der Pendelleuchte Zettel’z von Ingo Maurer zu einem besonders raffinierten Spiel von Helligkeit und sanften Schattierungen. 80 Blätter aus Japanpapier hängen wie zarte Federn am Edelstahlkorpus der Lampe und rahmen die durch Glaszylinder abgedeckten Leuchtkörper ein. Und genau diese stilvolle Zettelwirtschaft führt zu ganz unterschiedlichen Schattenwürfen, die in ihrer Summe ein stimmungsvolles Licht ergeben.

Pendelleuchte Zettel´z über einem Esstisch
Die Pendelleuchte Zettel’z zählt zu den berühmtesten Lampenklassikern der Welt.
Foto: Ingo Maurer

Jeder hat seine ganz individuelle Zettel’z

Der deutsche Industriedesigner Ingo Maurer entwarf 1997 die Deckenlampe Zettel’z 5 und ein Jahr später ihre „kleine“ Schwester Zettel’z 6. Beide unterscheiden sich in der Ausgestaltung der Blätter: Während Zettel’z 5 aus 31 bedruckten und 49 unbedruckten Zetteln im DIN-A5-Format besteht, kommen bei der Nachfolgedition 40 bedruckte und 40 unbedruckte Blätter im DIN-A6-Format zum Einsatz. Ansonsten ist das Prinzip dasselbe. Die Zettel werden mit Klammern an der Lampe befestigt und entscheiden so über deren Form: Locker und weit gesteckt wird die Leuchte größer, dicht an dicht angeordnete Blätter machen die Lampe schmaler – und sie somit auch passend für kleinere Räume.

Doch es ist nicht nur die Art der Montage, welche die Lampe zum Unikat macht. Auch bei der Gestaltung der unbedruckten Zettel kann jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen: Von Skizzen über kleine Gedichte bis hin zu Fotos, erlaubt ist, was gefällt. Ingo Maurer selbst hat mit der Zettel’z Viva L’Italia eine farbige Sonderedition geschaffen, die auf 150 Exemplare limitiert ist und sich voll und ganz um das südeuropäische Sehnsuchtsland dreht.

Designer Ingo Maurer
Ingo Maurer an seinem Schreibtisch, aufgenommen im Jahr 2015.
Foto: Tom Vack

Ingo Maurer: Lichtgestalt des Industriedesigns

Designer Ingo Maurer wurde 1932 auf der Insel Reichenau im Bodensee geboren. Nach seiner Ausbildung als Typograph studierte er von 1954 bis 1958 in München Grafikdesign und zog anschließend für drei Jahre in die USA, wo er als freier Grafiker in New York und San Francisco arbeitete. Nach seiner Rückkehr nach München Mitte der 60er Jahre gründete er seine One-Man-Firma Design M, mit der er sich auf Lampenentwürfe spezialisierte.

Es dauerte nur gut zwei Jahre, bis er sein erstes Meisterwerk kreierte: Die Lampe Bulb, eine nackte Glühbirne aus mundgeblasenem Kristallglas, die in einer hochglanzverchromten Metallfassung sitzt. Ein ungewöhnlicher Entwurf zur damaligen Zeit, der bereits 1969 in die Design Collection des New Yorker MoMA aufgenommen wurde und als Inspirationsquelle der aktuellen Glühbirnen-Leuchten gilt.

Ab da nahm Ingo Maurers Karriere ihren Lauf. Bis heute produziert Maurer alle Lampen und Lichtsysteme in seiner mittlerweile auf 70 Mitarbeiter angewachsenen Firma in München-Schwabing, die er von Design M in die Ingo Maurer GmbH umbenannte. 1999 eröffnete er einen Showroom in New York. Zu seinen berühmtesten Lampen zählen das Niedervolt-Halogen-System YaYaHo (1984), die mit Flügeln verzierte Glühbirne Lucellino (1992) sowie die Scherbenlampe Porca Miseria! (1994).

Neben seinen Lampenentwürfen hat Ingo Maurer seit 1990 auch immer wieder mit spektakulären Lichtinstallationen von sich reden gemacht. So entwarf er die Lichtobjekte der Münchener U-Bahn-Station Westfriedhof, entwickelte ein Beleuchtungskonzept für die Pariser Modenschau des Designers Issey Miyake und beteiligte sich an der Lichtplanung des Brüsseler Atomiums.

2010 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Foto im Aufmacher: Ingo Maurer

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