Wohnbasics

Die Lampe Flowerpot von &tradition

von Laura Drühe

Mit der Flowerpot-Lampe schuf Verner Panton einen der beliebtesten Designklassiker der heutigen Zeit. Ihr Geheimnis: eine smarte Konstruktion.

Es war die Zeit der Love-and-Peace-Bewegung, der freien Liebe, kulturellen Innovationen und Friedensdemonstrationen als der dänische Designer Verner Panton eine Leuchte entwarf, die er Flowerpot („Blumentopf“) nannte, weil sie ihn optisch an eine Blüte erinnerte.

Die Flowerpot ist ästhetisch und funktional zugleich

1968 erstmals für den dänischen Lampenhersteller Louis Poulsen als Decken-, Tisch- und Gartenleuchte konzipiert, fand die Flowerpot mit ihrer Kugelform, dem spielerischen Design und den leuchtenden Farben schnell Anklang. Das Original gab es in Orange, Türkis, Weiß, Rot und poliertem Stahl. Nicht zuletzt aufgrund ihres günstigen Preises avancierte sie schnell zu den beliebtesten Lampen Dänemarks.

Die Konstruktion ist dabei so einfach wie genial: Zwei einander zugewandte, ineinander geschobene Halbkugeln bilden das Grundgerüst. Die obere Halbkugel, die doppelt so groß ist wie die untere, dient als Lampenschirm, während die kleinere Schale die Glühbirne vollständig verdeckt. Somit wird das Licht in die größere Kugel reflektiert und dringt von dort nach außen. Das Ergebnis: indirektes, blendfreies und weiches Licht. Ein Paradebeispiel skandinavischen Designs also, das nie nur hübsch anzuschauen ist, sondern immer auch einen Zweck verfolgt.

Die Lampe Flowerpot gibt es in vier Ausführungen: als Pendelleuchte VP1 und VP2 (wobei die VP2 die größere der beiden ist) sowie als Tisch- und Gartenleuchte VP3 und VP4. Mittlerweile hat das dänische Unternehmen &tradition (ehemals Unique Copenhagen) die Produktion übernommen und der Flowerpot einen neuen Anstrich gegönnt. Zum überarbeiteten, zeitgenössischen Farbschema zählen Dunkelblau, Senf, Beige-Rot (Foto im Aufmacher), Dunkelrot, Grau-Beige, Dunkelgrün, Hellgrau, Schwarz, Weiß, Kupfer und Messing – einige sind matt, andere glänzend lackiert. Bestand die Lampe früher aus emailliertem Metall, wird sie heute aus lackiertem Aluminium gefertigt.

Flowerpot-Lampen gibt es in vielen zeitgenössischen Farben
Die Flowerpot-Lampen gibt es in vielen zeitgenössischen Farben (li.) und auch als Tischleuchte (re.). Verner Panton (mitte) gilt heute als einer der bedeutendsten Designer des 20. Jahrhunderts.
Fotos: &tradition

Verner Panton macht den Kunststoff im Möbeldesign populär

Verner Panton war ein bedeutender dänischer Architekt und Möbeldesigner. Er liebte das Experimentieren mit neuen Farben und Materialien und integrierte psychedelisch anmutende Pop-Art-Elemente in das bis dato sehr reduzierte skandinavische Wohndesign.

1926 im dänischen Gamtofte geboren, besuchte er nach dem Zweiten Weltkrieg die Technische Schule in Odense und studierte anschließend Architektur an der Königlichen Kunstakademie Kopenhagen. Von 1950 bis 1952 arbeitete er im Architekturbüro von Arne Jacobsen und war am Entwurf des legendären Ameisen-Stuhls beteiligt. Später sagte Verner Panton, er habe Arne Jacobsen viel zu verdanken. Jedoch hätte er auch gemerkt, dass er einen anderen Designansatz verfolge und statt der damals beliebten Naturmaterialien den Gebrauch von künstlichen Werkstoffen bevorzugte.

Berühmte Entwürfe Pantons: Panton-Chair und „Spiegel“-Gebäude

Zwischen 1952 und 1955 reiste er mit seinem VW-Bulli kreuz und quer durch Europa, um neue Inspiration zu sammeln. Zurück in Dänemark, gründete er 1955 sein eigenes Architektur- und Designstudio. Während seiner Schaffenszeit – Panton war bis zu seinem Tod 1998 als Designer aktiv – entwarf der Däne zahlreiche Sitzmöbel und Lampen für bekannte Marken wie Vitra, Louis Poulsen und Fritz Hansen. Darunter Klassiker wie den Panton Chair, die ersten aufblasbaren Möbel, die Lampe Topan oder eben Flowerpot, die 1972 den deutschen Bundespreis „Gute Form“ erhielt. Heute werden viele seiner Entwürfe unter der Marke Verpan neu aufgelegt.

Verner Panton hatte ein großes Gespür für leuchtende Farben, neuartige Formen und Materialien, die nicht nur im Möbeldesign zum Ausdruck kamen, sondern vor allem auch in seinen Raumgestaltungen. So entwarf er für verschiedene Messen und öffentliche Gebäude ganze Raumeinheiten, die noch heute legendär sind. Bestes Beispiel: das ehemalige „Spiegel“-Verlagsgebäude an der Hamburger Brandstwiete, dessen Lobby, Kantine, Konferenzräume und Flure Verner Panton mit bunten Farben und psychedelischen Designs gestaltete. Heute sind Teile dieser Dekorationen im neuen „Spiegel“-Haus an der Ericusspitze sowie im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu bewundern.

Im Aufmacher: Verner Panton hing seine Lampen gern gruppenweise auf, um große Lichtquellen zu kreieren. Foto: &tradition 

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