Wohnbasics

Die Ball Clock von George Nelson – ein Designklassiker

von Laura Drühe

Die Ball Clock ist ein leuchtendes Beispiel für das amerikanische Lebensgefühl der 50er Jahre. Ihr Markenzeichen: farbige Holzkugeln statt Ziffern.

Irgendwie macht die Ball Clock auf Anhieb gute Laune. Ihre expressive Form erinnert an Sonnenstrahlen. Farbige, kreisförmig ums Uhrwerk angeordnete Holzkugeln lösen das typisch numerische Ziffernblatt ab.

Designer George Nelson muss wohl einen besonders guten Tag gehabt haben, als er die humorvolle Wanduhr entwarf. Mehr noch: Der Legende nach soll sie das Produkt eines feuchtfröhlichen Abends unter Freunden im Jahr 1948 gewesen sein. Am nächsten Tag erwachte George Nelson nicht nur mit Kopfschmerzen, sondern auch mit der Skizze einer Wanduhr neben sich. Etwas undefinierbar zwar, aber mit augenscheinlich viel Potenzial. Da der Urheber des Werkes aufgrund signifikanter Erinnerungslücken nicht mehr ausfindig gemacht werden konnte (einige Experten glauben heute, die Ball Clock gehe auf Nelsons Mitarbeiter Irving Harper zurück), vollendete George Nelson den Entwurf einfach selbst. Und schuf damit eine der bekanntesten Ikonen des amerikanischen Mid-Century- Stils.

Kann gutes Design die Welt verbessern?

Egal, ob die Geschichte wirklich stimmt: Fest steht in jedem Fall: Mit ihren fröhlichen Farben, der geometrischen Form und den unterschiedlichen Holz- und Metallmaterialien ist die Ball Clock ein leuchtendes Beispiel für das amerikanische Lebensgefühl der 50er Jahre. Optimismus, Fortschritt und wirtschaftlicher Aufschwung prägten die damalige Nachkriegsstimmung. Möbel und Wohnaccessoires sollten jetzt nicht länger nur eine Funktion erfüllen, sondern vor allem auch schön aussehen. George Nelson ging sogar noch einen Schritt weiter und vertrat die Ansicht, gutes Design könne die Welt ein Stück besser machen. In einem großangelegten Designprogramm wollte er Alltagsgegenstände neu interpretieren und so modernes Design in die amerikanischen Haushalte bringen – die Ball Clock war Teil dieses Kreativkonzepts.

Ursprünglich für die Howard Miller Clock Company entworfen, wird die handgefertigte Quarz-Uhr heute von der Schweizer Möbelfirma Vitra produziert und vertrieben.

George Nelson war ein Wegbereiter des amerikanischen Modernismus

Geboren 1908 in Connecticut, zählt George Nelson heute zu einem der einflussreichsten Vertreter des amerikanischen Modernismus. Nach seinem Architekturstudium in Yale zog es ihn Anfang der 30er Jahre nach Europa, wo er zwölf bedeutenden Designern der damaligen Zeit begegnete – unter anderem Le Corbusier und Walter Gropius. Er war begeistert vom europäischen Designverständnis und wollte, zurück in den USA, auch seine amerikanischen Kollegen davon überzeugen – unter anderem mit zahlreichen Texten, die er zwischen 1935 und 1944 in Architekturmagazinen veröffentlichte.

Über einen dieser Grundsatzartikel wurde der Chef der Möbelfirma Herman Miller auf ihn aufmerksam und verpflichtete George Nelson prompt als Design Director. Über 25 Jahre, von 1946 bis 1972, arbeitete Nelson fortan bei dem berühmten amerikanischen Möbelhersteller und initiierte unter anderem die Zusammenarbeit mit bedeutenden Designern wie Charles und Ray Eames und Alexander Girard.

Parallel eröffnete er sein eigenes Designbüro, mit dem er insgesamt über 150 Uhren, aber auch Lampen und andere Wohnaccessoires entwarf. Bekannte Entwürfe neben der Ball Clock sind seine Bubble Lamp, der Coconut Chair und das Marshmallow Sofa. Sein L-förmiger Schreibtisch gilt als Vorläufer heutiger Büromöbel.

1986 starb George Nelson in New York. Sein Archiv wird heute vom Vitra Design Museum verwaltet.

Foto im Aufmacher: Vitra

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