Trends

Designer-Porträt: Alexander Girard

von Laura Drühe

Alexander Girard gilt als einer der einflussreichsten Designer des 20. Jahrhunderts. Nun widmet ihm das Vitra Design Museum eine umfassende Ausstellung.

Sein Design war wie eine Farbexplosion. Ein quietschbuntes Kunstspektakel, zusammengesetzt aus den verschiedensten Farben, Formen und Mustern, das so gar nicht zur schnörkellosen, funktionalen Bauhaus-Bewegung der damaligen Zeit passen wollte. Und doch wollte Alexander Girard (1907-1993) mit seinen Entwürfen keinen Gegenpol zur klassischen Moderne kreieren. Vielmehr war es ihm ein Anliegen zu zeigen, was moderne Architektur und Einrichtung eben alles sein kann: opulent und reduziert, verspielt und kühl, von Hand gefertigt und industriell hergestellt.

Alexander Girard in seinem Studio
Alexander Girard in seinem Studio in den frühen 1950er Jahren, fotografiert von Charles Eames.
Foto: Vitra

Alexander Girard: Textildesigner und Weltenbummler

Geboren wurde Alexander Girard 1907 in New York. Da seine Familie italienische Wurzeln hat, verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Florenz, ehe er in London Architektur studierte und anschließend in New York, Detroit und Santa Fe lebte. Zwischen den 20er und 70er Jahren entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten Textildesigner – seine Schriftzüge, Tapetenmuster und Stoffentwürfe sind heute weltberühmt.

Als prägendste Station gilt seine Zeit als Textildirektor bei der amerikanischen Möbelfirma Hermann Miller (1951 bis 1975), wo er neben Textilien auch farbenfrohe Bilder und fröhlich geschwungene Möbel entwarf. Ein weiteres Steckenpferd Girards: die Gestaltung von Interieurs für Restaurants und Privathäuser. Zu seinen bekanntesten Entwürfen zählten in den 60er Jahren die Innendesigns der legendären New Yorker Restaurants La Fonda del Sol und L’Étoile, in dem auch Andy Warhol ein- und ausging. Im mexikanischen Fonda del Sol designte Girard das komplette Interieur – von der Menükarte bis zu den Fliesen – in Zusammenarbeit mit seinen engen Freunden Charles und Ray Eames, welche die passenden Stühle und Tische lieferten. Auch für die texanische Fluggesellschaft Braniff International Airways entwarf er das komplette Corporate Design, das sich vom bunten Flugticket über den leuchtenden Check-In-Schalter bis zum Flugzeug selbst erstreckte.

Viele bunte Holzfiguren von Alexander Girard
Die berühmten Holzfiguren Wooden Dolls von Alexander Girard.
Foto: Vitra

Seine wichtigste Inspirationsquelle: eine riesige Sammlung von mehr als 100.000 Artefakten aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen, die er und seine Frau Susan von ihren zahlreichen Reisen durch die ganze Welt mitbrachten. Viele dieser Kunsthandwerke ließ er in seine Arbeit einfließen und stellte sie in bedeutenden Ausstellungen aus (etwa im New Yorker MoMA). 1978 übergab er die Sammlung an das Museum of International Folk Art in seinem Wohnort Santa Fe, New Mexico.

Die Ausstellung im Vitra Design Museum

1996, drei Jahre nach Girards Tod, übernahm das Vitra Design Museum seinen persönlichen Nachlass aus Tausenden von Zeichnungen, Fotos, Textilmustern, Möbeln, Accessoires und Sammelobjekten. Basierend auf diesem Archiv und den Leihgaben des Folk Art Museums in Santa Fe entstand die Ausstellung Alexander Girard. A Designer’s Universe, die noch bis Januar 2017 in Weil am Rhein zu sehen ist. Diese große Retrospektive ist die erste umfassende Ausstellung seines gesamten Lebenswerks sowie all der Volkskunst, die ihn inspirierte.

Titel der Ausstellung: Alexander Girard. A Designer‘s Universe
Wann: noch bis 29.01.2017
Wo: Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Im Aufmacher: Die bunte Bilderserie Environmental Enrichment Panels fertigte Alexander Girard während seiner Zeit als Textildirektor für Hermann Miller an. Die Bilder sollten klassische Büroräume freundlicher gestalten. Foto: Vitra

Ähnliche Artikel

Kommentare

0
Loading...