Wohnbasics

Der Eames Plastic Side Chair – ein Designklassiker

von Christiane Tillmann

Schon seit über 50 Jahren ist er nicht mehr aus unseren Wohnungen wegzudenken: Der Eames Plastic Side Chair ist eine unverwüstliche Stil-Ikone.

Den kennt jedes Kind: Der Plastic Side Chair ist eigentlich gar kein Stuhl mehr, eher schon eine Legende. Seine Erfinder, das Ehepaar Charles und Ray Eames, erregten bereits direkt nach dem Zweiten Weltkrieg große Aufmerksamkeit mit ihrem ersten Wurf, den so genannten Plywood Chairs. Ihre nächste Erfindung aber sollte noch berühmter werden. Bereits in den 1930er-Jahren machten sich die Eames’ Gedanken über einen ergonomischen, schalenartigen Stuhl, der industriell gefertigt werden konnte. Doch erst einmal blieb es bei einer Idee und die verschwand lange in der Schreibtischschublade. Wohl auch, weil erste Versuche mit Aluminium und Sperrholz scheiterten.

Der Plastic Side Chair revolutioniert den Möbelbau

Das Ehepaar Eames posiert mit Stuhlgestellen
Ein bisschen Spaß muss sein: Das Ehepaar Eames, umrahmt von Stuhlgestellen.
Foto: Charles & Ray Eames ©Eames Office, LLC (eamesoffice.com)

Erst 1948 gelang der Durchbruch mit fiberglasverstärktem Polyesterharz: Im Rahmen des Low Cost Furniture Design-Wettbewerbs des berühmten Museum of Modern Art in New York präsentierte das Designerpaar in Zusammenarbeit mit Zenith Plastics sein Endergebnis, den Plastic Side Chair. Schnell avancierte der Stuhl, der von der amerikanischen Marke Hermann Miller als A- und S-Linie (mit und ohne Armlehne) hergestellt wurde, zum Verkaufsschlager. Seine Vorteile lagen auf der Hand: Die organisch geformte Schale bot besonders großen Sitzkomfort. Verschiedenste Farben und Untergestelle, zum Beispiel ein Holzuntergestell aus Ahorn oder das Eiffel- Tower-Stahlrohrgestell, machten eine Individualisierung möglich. Eine Revolution – da Kunststoff in der Möbelindustrie damals alles andere als gängig war.

Ebenfalls völlig neu war, dass dem Plastic Side Chair keine wirkliche Funktion zugewiesen wurde – er sollte multifunktional einsetzbar sein: im Foyer, als Schreibtischstuhl, am Esstisch usw. Später nutzten die Eames ihr Meisterwerk als Vorlage für weitere Serien wie den Wire Chair, einen Stuhl aus verschweißtem Stahldraht.

Bis 1993 wurde der Eames Plastic Side Chair in Europa durch Vitra in seiner Originalform, also aus fiberglasverstärkten Polyesterharz produziert. Danach wurde die Produktion aus Umweltschutzgründen eingestellt, da das Material nicht recyclingfähig ist. Seit einigen Jahren ist es aber wieder möglich, den Eames Plastic Side Chair in seiner Originalform herzustellen – jetzt aber aus wiederverwertbarem Polypropylen.

Im Aufmacher: Die Form ist geblieben, die Farben passen sich dem Zeitgeist an – Vitra bringt den Plastic Side Chair in regelmäßigen Abständen in neuen Farben auf den Markt. Foto: Eames Plastic Side Chair, Charles & Ray Eames, Foto: Florian Böhm ©Vitra

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