4 Design-Sessel und ihre Lookalikes

von KATJA KEWERITSCH - 08.05.2019

Wenn wir groß sind, leisten wir uns die Originale – bis dahin schmücken wir unser Zuhause mit den hübschen Lookalikes der Sessel, die uns träumen lassen.

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Der Butterfly Chair der Austral-Designergruppe aus Buenos Aires

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Sein Design erinnert an einen flatternden Schmetterling – daher der Name. Entwickelt wurde der kultige Sessel bereits 1938. Und zwar von drei Designern des Architekturbüros Austral in Buenos Aires: Antonio Bonet, Juan Kurchan und Jorge Ferrari-Hardoy. Zunächst dienten ihre Initialen als Namensgeber: BKF Chair. Später erkannten Bonet und Kurchan Ferrari-Hardoy als eigentlichen Urheber des Sessels an, so dass er in Hardoy Butterfly Chair umbenannt wurde. Unter diesem Namen steht er inzwischen seit mehr als 70 Jahren im New Yorker Museum of Modern Art (MOMA).

Produziert wurde der Butterfly Chair zunächst von Florence und Hans Knoll, die 1947 die Lizenz erwarben, den Sessel in Serie herzustellen. Bemerkenswert: Angeblich wurden in den 50er Jahren allein im Raum Los Angeles etwa 3000 Exemplare pro Woche verkauft. Der Sessel avancierte zur Stilikone seiner Zeit. 

Leider überschwemmten ziemlich schnell Repliken minderwertiger Qualität den Markt. Knoll versuchte deshalb, sich die alleinigen Rechte an der Produktion gerichtlich zu sichern. Leider ohne Erfolg. Denn: Der Engländer Joseph B. Fendby hatte sich bereits 1881 seinen Camping-Klappstuhl Tripolina patentieren lassen, dessen Design als Vorläufer des Hardoy Butterfly Chairs gilt. Bonet, Kuchan und Ferrari-Hardoy hatten es versäumt, sich ihre Weiterentwicklung schützen zu lassen. Knoll stellte die Produktion deshalb nach nur drei Jahren ein. 

Seither zählt das Design des Butterfly Chairs zu den gemeinfreien Entwürfen ohne Urheberrecht. Das bedeutet: Es gibt heute unzählige Varianten des Sessels von ganz unterschiedlichen Anbietern auf dem Markt. Der Nachteil: Oft werden nachlässig hergestellte Butterfly Sessel angeboten, die kaum die Garantiezeit überstehen. Der Vorteil: Jeder kann sich für wenig Geld ein echtes Designerstück in sein Wohnzimmer stellen. Achte beim Kauf auf Vollmetall-Rundprofilstangen und fest verschweißte Kreuzungspunkte. Dann wirst du lange etwas vom leichten Schmetterlingsdesign haben.

Gemütliche Ikone: der Lounge Chair von Charles & Ray Eames

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Billy Wilder ist schuld. Der berühmte US-amerikanische Regisseur stöhnte nämlich darüber, dass er am Filmset zwischen den Takes keinen bequemen Sessel zum Ausruhen habe. Das Designerpaar Charles und Ray Eames nahm sich sein Klagen zu Herzen und schuf 1956 den berühmten Lounge Chair – Wilder erhielt einen der ersten fertigen Sessel als Geschenk. 

Seitdem produziert Herman Miller den Sessel in den USA. Vitra sicherte sich bereits 1957 die Lizenz für den europäischen Markt. Der Lounge Chair – eine Konstruktion aus Schichtholzschalen mit einem drehbaren Stahlfuß und Lederkissen – ist u.a. Teil der ständigen Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art (MOMA), der National Gallery of Victoria in Melbourne und des Designmuseums Danmark in Kopenhagen. Er gilt zurecht als absolute Design-Ikone und Wertanlage. 

Interessant: Als Frankreichs Präsident Francois Hollande 2013 seine Minister verpflichtete, ihre Vermögenslage zu veröffentlichen, erklärte der Industrieminister Arnaud Montebourg, er besitze einen Eames Lounge Chair.

Acapulco Chair – der Design-Klassiker aus Mexiko

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Um diesen Stuhl rankt eine hübsche Legende: In den 50er Jahren, als das mexikanische Pazifikresort Acapulco einer der schillerndsten Jetset-Orte der Welt war (hier urlaubten Stars von Elvis Presley bis Elizabeth Taylor und die Kennedys zog es gar in ihren Flitterwochen her) hatte ein unbekannter französischer Tourist eine geniale Idee. Nachdem er sich an einem heißen Stuhl verbrannt hatte, bastelte er am Pool vor sich hin und schuf aus einem Stuhl und einer Hängematte den Acapulco Chair.

Heute ist der auch als Spaghetti-Stuhl bekannte Klassiker Mexikos Antwort auf den boomenden Mid-Century-Style. Von Viva Mexico wird der Sessel heute vor Ort in Handarbeit hergestellt. Dabei kommt das Original mit einer geschwungenen Form, flachen Füßen und einer unterschiedlich straff gespannten Kordel daher, um den Sitzkomfort zu erhöhen. Es werden keine Weichmacher verwendet, das Stahlgestell rostet nicht und die Kordel besteht aus recyceltem Material.

Auch wenn der Acapulco Chair im heißen Mexiko erfunden wurde – er macht nicht nur draußen eine gute Figur. Mit kuscheligem Fell und warmem Kissen passt er während der kalten Jahreszeit prima ins Wohnzimmer. Im Frühling darf das handliche Leichtgewicht dann wieder nach draußen ziehen.

Design-Liebling: Arne Jacobsens Egg Chair

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Ein Sessel ohne Gerade, ganz organisch in eiförmigen Kurven geschwungen – mit diesem sympathischen Design erobert Arne Jacobsens Egg Chair seit 1958 die Herzen der Menschen. Der dänische Designer schuf den Sessel damals als Teil der Inneneinrichtung des SAS Royal Hotel in Kopenhagen. Aber er kreierte nicht nur den Sessel - von Möbeln über Textilien bis hin zum Besteck entwarf Jacobsen mit dem SAS Royal ein Gesamtkunstwerk. Und das zu Zeiten, als es noch nicht einmal das Wort Designhotel gab. 

Jacobsen war begeisterter Botaniker und gab seinen Möbeln gern naturnahe Namen: das Ei (Sessel), der Schwan (Stuhl), die Ameise (Stuhl). Er war ein Perfektionist, der fast permanent gearbeitet haben soll. Der Erfolg gibt ihm recht: Der Egg Chair steht nicht nur im New Yorker Museum of Modern Art (MOMA), sondern ist Bestandteil vieler weiterer Sammlungen von Designmuseen. 

Selbst McDonald’s ist auf das Ei gekommen: Als neue Konzepte für Filialen in England und Dänemark entwickelt wurden, verwendete man u.a. den Egg Chair. Allerdings kündigte der Hersteller Fritz Hansen die Zusammenarbeit, als McDonald’s neben Originalen auch Nachbauten einsetzte (in England ist die Schutzzeit für das Design abgelaufen). 

Wie du den Egg Chair und seine Lookalikes in dein Zuhause integrierst: Ein Sessel mit diesen Ausmaßen braucht Platz, um zu wirken. Lass ihn am besten als edles Einzelstück frei im Wohnzimmer stehen.

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