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Expertin des Monats: Innenarchitektin Anne Batisweiler

von Laura Drühe

Jeden Monat stellen wir euch Experten aus unserer Rubrik „Wohnideen“ vor, die nützliche Wohntipps verraten. Im Januar: Innenarchitektin Anne Batisweiler.

„Geht nicht, gibt es nicht“: Das ist die Devise von Anne Batisweiler. Die Designerin und Ingenieurin für Innenarchitektur lebt und liebt Design. In ihrem Münchener Planungs- und Gestaltungsbüro Planung-Raum-Design berät und begleitet sie Kunden bei der optimalen Einrichtung und dem Umbau ihrer Wohnräume – von kleinen Tricks und Kniffen wie der richtigen Beleuchtung und Farbauswahl bis zur aufwändigen Renovierung. Auch die Koordination und Planung ganzer Baumaßnahmen sind Teil ihres Portfolios. Ihr persönlicher Wohlfühlort in ihrem Zuhause? Die Hängematte im Garten und der Teppich mit Kissen vor dem Kamin.

Der Raum einer Jugendstilvilla, gestaltet von Anne Batisweiler und Team
Anne Batisweiler, unsere Expertin des Monats Januar.
Foto: Dorothee Elfring, Barcelona

moebel.de: Verraten Sie uns das häufigste Wohnproblem Ihrer Kunden?

Anne Batisweiler: Typische Probleme sind, dass der Raum ungemütlich ist, alle Möbel immer nur an der Wand entlang aufgestellt sind, alles sehr unruhig wirkt und die Funktionen nicht optimal erfüllt werden.

moebel.de: Aber was kann ich denn als erstes tun, wenn ich meine Wohnung verändern möchte – allerdings nicht genau weiß wie und auch nicht zu viel Geld ausgeben möchte?

Anne Batisweiler: Das Beste ist immer, sich eine Wunschliste zu schreiben, was man gerne möchte – oder eben nicht möchte. Oft lassen sich mehrere Wünsche mit einer einzigen Idee oder Maßnahme erledigen. Außerdem kann eine solche Liste mit Prioritäten versehen werden, um so gezielt die wichtigen Dinge direkt anzugehen.

moebel.de: Nehmen wir mal das Thema Beleuchtung, das gerade jetzt im Winter so wichtig ist. Was kann ich tun, damit mein Wohnzimmer so richtig einladend aussieht?

Anne Batisweiler: Ich mag verschiedene Lichtquellen auf verschiedenen Höhen, die möglichst alle dimmbar sind. So lässt sich im Laufe des Tages immer mehr Licht zuschalten – und zwar genau dort, wo man es braucht. Aber auch abends kann es Stück für Stück wieder abgeschaltet werden, um einen guten Übergang zum Schlaf zu finden. Wichtig sind möglichst blendfreie, oft indirekte Lichtquellen. Im Wohnzimmer ist es zudem sinnvoll, hinter dem Fernseher eine schwache Leuchte zu positionieren, um den Kontrast des TV-Gerätes für das menschliche Auge abzumildern. Licht ist immer im Zusammenhang mit Wohlbefinden und Gesundheit zu sehen. Überhaupt sind Licht und Farbe die Gestaltungsmittel schlechthin!

Wohlfühlatmosphäre in einem modernisierten Wohnhaus von 1912
Eines von Batisweilers Projekten: Die baubiologische Sanierung und Erweiterung eines
Wohnhauses von 1912 in Holzkirchen. Das Ergebnis: helle, einladende Räume und eine echte
Wohlfühlatmosphäre.
Foto: Wolfgang Pulfer, München

moebel.de: Wie kann ich mir denn sonst noch mit einfachen Gestaltungsmitteln Wohlfühlatmosphäre nach Hause holen?

Anne Batisweiler: Da gibt es sehr viele Möglichkeiten. Erstens: Weniger ist mehr. Versuchen Sie unterschiedliche Gegenstände, Formen, Farben, Materialien und Muster in einem Raum zu reduzieren. Zweitens: Achten Sie nicht nur auf Funktionalität, sondern inszenieren Sie auch mal ein, zwei spannende, ungewöhnliche, witzige oder edle Objekte als Blickfang im Raum. Drittens: Verwenden Sie Farbe möglichst auf austauschbaren Flächen wie Kissen, Teppichen, Tischdecken, Vorhängen oder Bildern. So können Sie schneller variieren, wenn Sie der Farbe überdrüssig sind. Viertens: Raumklima und Akustik nicht vergessen! Wenn es zu kühl oder zu warm ist, ist es genauso unangenehm wie wenn es zu stumpf klingt oder hallt. Und fünftens: Wenn es viel Holz im Raum gibt, möglichst gleiches Holz in ähnlicher Farbe verwenden. Das beruhigt optisch.

moebel.de: Und wie ist es, wenn ich meine Wände farbig streichen möchte. Was muss ich beachten, damit es weder zu düster noch zu bunt wird?

Anne Batisweiler: Es ist weniger eine Frage von zu düster oder zu bunt, sondern eher: Was will ich im Raum für eine Wirkung erzielen? Dunkle Farben können sehr gemütlich wirken, farbige Wände rücken optisch mehr in den Raum und verändern so die Proportionen. Auch strahlen farbige Wände immer über Eck auf die angrenzenden Wände. Das kann die Farben verstärken oder zumindest einen Farbschimmer auf die helleren Wände werfen. Ich empfehle gerne vor einer Farbentscheidung eine Hartfaser- oder Spanplatte von etwa 1 qm Größe mit der Farbe zu streichen und sie dann an verschiedenen Stellen im Raum zu begutachten. Und zwar sowohl bei Tages- als auch bei Kunstlicht! Das kann nämlich völlig unterschiedlich wirken. So weiß man sicher, was einen erwartet.

Anne Batisweiler ist Expertin in unserer Rubrik „Wohnideen“. Hier findet ihr jede Menge inspirierender Einrichtungsideen, die richtigen Experten für die unterschiedlichsten Projekte und tolle Produkte für euer Zuhause.

Im Aufmacher: Klar, dass die Räumlichkeiten von Planung-Raum-Design in einer denkmalgeschützten Jugendstilvilla ebenfalls von Anne Batisweiler und ihrem Team gestaltet wurden. Das Motto dahinter: Arbeitsräume zum Leben! Foto: Wolfgang Pulfer, München

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