Wohnbasics

Expertin des Monats: Aniela Horntrich von Nelka

von / moebel.de Redaktion

Aniela Horntrich lebt in Berlin und ist Expertin für die Begrünung von Stadtbalkonen. Wir haben sie das Wichtigste rund ums Thema Balkonbepflanzung gefragt.

Mitten in der City und doch im Grünen: Welcher Städter träumt nicht von einem üppig begrünten Balkon oder einer blühenden Dachterrasse? Aber nicht jeder hat die Zeit oder den grünen Daumen dafür. Hier kommt Aniela ins Spiel. Aniela Horntrich ist Nelka, ein kleines Unternehmen aus Berlin, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Balkone und Dachterrassen der Hauptstadt zu begrünen. Wir haben sie gefragt, was jetzt im März auf dem Balkon zu tun ist und wie viel es kostet, sich den eigenen Balkon von ihr bepflanzen zu lassen.

Liebe Aniela, wir haben jetzt Anfang März: Ist das ein guter Zeitpunkt, um mich um die Bepflanzung meines Balkons zu kümmern?

Wenn man den Balkon mit mehrjährigen, winterharten Pflanzen bepflanzen möchte, dann ja. Für die Bepflanzung mit einjährigen oder nicht winterharten Pflanzen (z. B. Petunien oder Geranien) muss man noch bis Mitte Mai warten, dann ist kein Frost mehr zu erwarten. Wenn man keine Pflanzen kaufen, sondern die Pflanzen selbst ziehen möchte, dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt für die Aussaat auf dem Fensterbrett.

Falls ich noch gar keine Pflanzen auf meinem Stadtbalkon habe: Womit fange ich an, was sind die ersten Schritte?

Zuerst sollte man sich überlegen, wo genau auf dem Balkon die Pflanzen stehen sollen, wie hoch und wie üppig die Bepflanzung sein soll. Dann am besten genau beobachten, wie viel und wann der Balkon tagsüber Sonne bekommt und ob der Standort für die Pflanzen eher windig oder geschützt ist. Je nach Bepflanzungshöhe sollten dann die ausgewählten Pflanzgefäße ausreichend groß sein und die Pflanzen je nach Standort ausgewählt werden (vollsonnig, halbschattig oder schattig).

Du gibst auch Workshops zum Thema Balkonbepflanzung. Was sind die häufigsten Fragen und Probleme der Teilnehmer?

Viele meiner Teilnehmer sind frustriert, dass im Frühjahr fast keine Pflanze überlebt hat. Das kann mehrere Gründe haben: Die Pflanzen wurden im Winter nicht gegossen und sind vertrocknet, die Pflanzen waren nicht winterhart oder sie waren nur Einjährige. Außerdem sind viele erstaunt, dass sie ihre Balkonpflanzen regelmäßig düngen müssen. Ein häufiger Fehler ist auch, dass die Pflanzen nicht standortgerecht stehen und deswegen vor sich hin kümmern oder von Schädlingen befallen sind. Oft vertrocknen die Pflanzen auch schnell, weil sie in zu kleine Gefäße gepflanzt wurden.

„Viele sind erstaunt, dass sie ihre Balkonpflanzen regelmäßig düngen müssen.“

Ich möchte eine Erstbepflanzung meines Stadtbalkons bei dir in Auftrag geben, sagen wir eine Mischung aus Gräsern, blühenden Pflanzen und vielleicht einer Nutzpflanze. Kleines Basisprogramm. Was kostet das?

Das hängt sehr davon ab, wie man den Balkon bepflanzt und wie groß der Balkon ist. Wenn man nur Balkonkästen an das Geländer hängen will und diese bepflanzen lässt, dann sollte man insgesamt mit ca. 400 Euro rechnen. Möchte man eine üppigere Bepflanzung mit hochwertigen, großen Pflanzgefäßen, die auf dem Boden stehen und vielleicht automatisch bewässert werden, sollte man mit Kosten zwischen 600 und 1.200 Euro rechnen, je nach Größe des Balkons.

Ich bin faul und habe keinen grünen Daumen, möchte aber mit wenig Aufwand etwas Gartenfeeling auf meinem Balkon. Gibt es dafür eine Wunderwaffe?

Es gibt sehr pflegeleichte mehrjährige Stauden, die weder viele Nährstoffe noch viel Wasser benötigen. Dazu gehören auf sonnigen Balkonen Fette Henne (Sedum), Lavendel, Grasnelken, Prachtkerze und mediterrane Kräuter. Auf schattigen Balkonen zum Beispiel Elfenblume, Sternmiere oder Steinsame. Bei diesen Pflanzen sollte man nur darauf achten, dass das Wasser gut abfließen kann und keine Staunässe entsteht. Aber ganz ohne Pflege gedeiht keine Pflanze.

Welche ist deine Lieblingspflanze und warum?

Eine meiner Favoriten ist die Prachtkerze (Gaura lindheimeri). Sie blüht unermüdlich vom Frühsommer bis in den Herbst, ihre Blüten sehen aus wie tanzende Schmetterlinge und trotz ihres zarten Aussehens ist sie sehr robust und pflegeleicht.

„Ich finde es schade, wenn die gesamte Bepflanzung am Ende der Saison in der Mülltonne landet.“

Du achtest darauf, dass deine Bepflanzungen nachhaltig und umweltfreundlich sind. Was muss ich mir darunter vorstellen – können Pflanzen umweltschädlich sein?

Pflanzen an sich sind natürlich nicht umweltschädlich. Aber die Art, wie sie gezüchtet wurden, mit welchem Dünger sie gedüngt werden, in welcher Erde sie stehen und wie Schädlinge bekämpft werden, kann durchaus schädlich für die Umwelt sein. Die Nachhaltigkeit meiner Bepflanzungen macht aus, dass ich so gut wie keine einjährigen Pflanzen oder nicht winterharte Pflanzen verwende. Ich finde es schade, wenn die gesamte Bepflanzung am Ende der Saison in der Mülltonne landet. Ich verwende Stauden aus nachhaltig arbeitenden Staudengärtnereien und nicht aus dem Baumarkt. Bei der Erde sollte man darauf achten, dass sie torffrei ist. Das trägt zur Erhaltung der Moore bei, die sehr wichtig für das Klima sind. Beim Düngen sollte man ausschließlich organischen Dünger verwenden. Kunstdünger laugt auf Dauer die Erde aus und ist schlecht für das Grundwasser. Bei der Schädlingsbekämpfung auf dem Balkon bitte keine Chemiekeule, das ist schlecht für die Bienen und andere nützliche Insekten. Meist reicht schon ein Standortwechsel der Pflanze oder ein biologisches Mittel.

Kannst du drei Instagram-Accounts empfehlen, die dich inspirieren?

Du wohnst in Berlin. Welche öffentliche Dachterrasse, Park oder Garten kannst du empfehlen?

  • Gärten der Welt in Mahrzahn
  • Botanischer Volkspark in Pankow. Das ist der alte Schulgarten von Pankow mit schönem, altem Baumbestand, der nach und nach aufgefrischt wird. Zum Beispiel durch eine in jeder Jahreszeit sehenswerte Staudenpflanzung gleich am Eingang, ein Urban-Gardening-Projekt und ein Gewächshaus mit sehr nettem Café.
  • Förster Garten in Potsdam mit dazugehöriger Staudengärtnerei. Das ist der Privatgarten des Staudenzüchters Karl Förster mit wunderschönen Pflanzungen für jeden Standort. Danach kann man in der angrenzenden Staudengärtnerei fast alles kaufen, was man im Garten gesehen hat.
  • Königliche Gartenakademie in Dahlem. Dort gibt es auch eine sehr schöne Gärtnerei und der große Botanische Garten ist gleich gegenüber.

Vielen Dank für das Interview, liebe Aniela!

Aniela Horntrich ist Expertin in unserer Rubrik Wohnideen. Hier findest du eine Auswahl von Anielas Projekten, jede Menge inspirierende Einrichtungsideen sowie die richtigen Experten für dein Heimwerker-Projekt.

Projektbeispiele von Nelka

Links: Auf dem Südbalkon wachsen Ölweiden, Lavendel, Duftnessel und mediterrane Kräuter. Rechts: Bepflanzte Balkonkästen aus Fiberglas mit Pfingstnelken, Sedum und trockenheitsverträglichen Gräsern.
Fotos: Nelka
Links: Ein großes Fiberglas-Pflanzgefäß mit Sonnenhut, Ziersalbei und Rutenhirse. Rechts: Nordostbalkon mit schattenverträglichen Pflanzen wie Hortensie, Frauenmantel und Waldschmiele.
Fotos: Nelka
Links: Ein üppig bepflanzter Südbalkon. Rechts: Maßgefertiges Möbel zum Sitzen, kombiniert mit einem Pflanzgefäß aus Lärchenholz auf einem sonnigen Balkon.
Foto: Nelka
Links: Südbalkon im Frühsommer mit Vergissmeinnicht, Goldlack, Shiso und Sedum. Rechts: Schattiger Balkon in einem Hinterhof mit japanischem Zierahorn, Heuchera und Pfennigkraut.
Fotos: Nelka

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