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Die Bauhaus-Leuchte von Wagenfeld – ein Designklassiker

von Laura Drühe

In unserer neuen Serie stellen wir Klassiker vor, die Designgeschichte geschrieben haben. Dieses Mal: die Bauhaus-Leuchte von Wilhelm Wagenfeld.

Mit gerade einmal Anfang zwanzig gelang Wilhelm Wagenfeld der wohl größte Erfolg seiner Karriere. Als Schüler am berühmten Weimarer Bauhaus bekam er 1923 von seinem Lehrmeister die Aufgabe gestellt, eine Tischleuchte aus Glas und Metall zu bauen. Gemeinsam mit Carl Jacob Jucker entwarf er eine Lampe, die Designgeschichte schreiben sollte: 36 cm hoch, zylindrisches Rohr, scheibenförmiger Fuß, runder Schirm aus weißem Opalglas sowie eine Zugschnur mit kleinem Metallkügelchen.

In den folgenden zwei Jahren entstanden insgesamt vier Versionen dieser Lampe, die sich allein im Material des Schafts und Fußes unterscheiden: WA 23 SW (schwarz lackierter Metallfuß, vernickelter Schaft), WA 24 (Schaft und Fuß aus vernickeltem Metall), WG 24 (Schaft und Fuß aus Glas), WG 25 GL (Schaft aus vernickeltem Metall, Fuß aus Glas). Mit ihren einfachen geometrischen Formen folgt die Wagenfeld-Lampe dem typischen Bauhaus-Grundsatz: Form folgt Funktion.

Heute gilt sie als wichtigstes Produkt des modernen Industriezeitalters und hat sogar ihren eigenen, festen Platz im New Yorker Museum of Modern Art. Seit 1980 produziert die Bremer Firma Tecnolumen die Bauhaus-Lampen in allen vier Versionen nach Originalangaben Wagenfelds. Um Kopien und Fälschungen zu erschweren, sind alle Leuchten unter dem Boden fortlaufend nummeriert.

Der Bauhaus-Klassiker unter den Tischleuchten: Die berühmte Designerlampe von Wilhelm Wagenfeld
Die Tischlampe WA 24 von Wagenfeld, zu erkennen am vernickelten Fuß und Metallrohr. Über sein Design sagte Wagenfeld einst: „Brauchbar sein heißt auch schön sein, denn alles brauchen muss schön sein können, anders erfüllen die Dinge nicht ihren Sinn.“
Foto: Home 24

Wilhelm Wagenfeld: Deutschlands erster Industriedesigner

Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) gilt als Pionier der modernen Produktgestaltung. Nach dem Besuch der Bremer Kunstgewerbeschule und der Hanauer Zeichenakademie entschied er sich 1923 für ein Studium am berühmten Weimarer Bauhaus. 1928 übernahm er die Leitung der Bauhochschule in Weimar, drei Jahre später begann seine Zusammenarbeit mit den Jenaer Glaswerken. Dort entwarf er unter anderem sein legendäres Teeservice, das noch heute in Jena produziert wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er als Professor und künstlerischer Leiter in verschiedenen Hochschulen und Unternehmen tätig. In seinem 1954 eröffneten Stuttgarter Studio, der Werkstatt Wagenfeld, arbeitete er bis 1978 für Auftraggeber wie WMF, Braun und Rosenthal. Seit seinem Tod 1990 kümmert sich die Wilhelm Wagenfeld Stiftung um sein künstlerisches Erbe.

Wagenfeld wollte stets seriell hergestellte Gebrauchsgegenstände für eine breite Öffentlichkeit zugänglich machen. Nicht von Hand gefertigte Unikate für reiche Leute waren sein künstlerischer Anspruch, sondern massenweise produzierte, nachhaltige, funktionale und zeitlose Industrieartikel, die sich jeder leisten konnte und zu denen jeder Zugang hatte. Zu seinen bekanntesten Entwürfen, die noch heute Kultstatus genießen, zählen neben der Bauhaus-Leuchte und dem Teeservice aus Jenaer Glas vor allem auch die für WMF designten Küchenprodukte wie Aschenbecher, Butterdose, Eierbecher und die Salz- und Pfefferstreuer Max und Moritz.

Das Bauhaus

Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 in Weimar von Walter Gropius als Ausbildungsstätte gegründet. Ziel war es, nicht länger zwischen Kunst und traditionellem Handwerk zu unterscheiden, sondern beide Bereiche zusammenzuführen. So leiteten am Bauhaus Künstler wie Klee und Kandinsky gemeinsam mit Handwerksmeistern gleichberechtigt die Werkstätten. 1925 siedelte das Bauhaus nach Dessau über – der dortige Gropius-Bau gilt heute als UNESCO-Weltkulturerbe. Im Zuge des aufkommenden Nationalsozialismus wurde die Arbeit erschwert und das Bauhaus nach einer kurzen Zwischenstation in Berlin 1933 dauerhaft geschlossen. Nicht zuletzt durch die politischen Emigrationen der damaligen Zeit verbreiteten sich seine Leitsätze jedoch in der ganzen Welt. Heute gilt das Bauhaus als wichtigste Bildungsstätte modernen Designs.

Foto im Aufmacher: Tecnolumen

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