Kolumne

Guerilla Knitting - Streetart mal anders

Yarn Bombing - eine besonders bunte Form der Streetart
Yarn Bombing - eine besonders bunte Form der Streetart

Noch vor wenigen Jahren galt das Hobby Stricken nicht gerade als hip - dachte man dabei doch sofort an leicht spießige Kaffeekränzchen und Omas dicke Wollsocken (über die man sich aber doch jeden Winter aufs Neue freut!). Doch Stricken bekam auf einmal ein völlig neues Image: Auf den Laufstegen der Welt hieß es auf einmal: Strick ist schick! In den Vorlesungssälen der Universitäten waren die Studenten zunehmend weniger damit beschäftigt, unter dem Tisch an ihrem Handy herum zu spielen, sondern damit, die Stricknadeln klappern zu lassen. Immer mehr junge Menschen – auch Männer – treffen sich in offenen Strickrunden, halten nun selber die früher belächelten Kaffeekränzchen ab und lernen dabei Tricks und Kniffe von professionellen Strickdesignern.

Stricken als Streetart

Doch nicht nur bei einer Tasse Kaffee in gemütlicher Runde am Kamin wird gestrickt: Das Hobby Stricken hat längst die Wohnzimmer verlassen und führt nun ein Leben als Form der Kunst in den Straßen. Ob Guerilla, Urban, Outdoor und Radical Knitting, Yarn Bombing, Yarnstorms oder Radical Crafting: Diese neue Form der Streetart ist unter vielen Namen bekannt. Strickguerilla-Aktivisten stricken hierbei öffentliche Gegenstände wie Fahrradständer, Bäume oder Skulpturen ein oder bringen gestrickte Accessoires an – für einen Farbtupfer in der grauen Großstadt. Die Kunstwerke werden auch gestricktes (oder auch gehäkeltes) Graffiti genannt.

Die ersten wenigen Beispiele für das Guerilla Knitting konnte man schon 2004 in den Niederlanden finden. Der offizielle Start der Bewegung wurde in den USA von Magda Sayeg initiiert. Ihr kam die Idee, als sie den Türknauf ihrer Boutique einstrickte und dies auf große Begeisterung bei den Passanten stoß. Es musste mehr Kunst dieser Art in die Straßen! Also gründete sie mit weiteren Strickbegeisterten das Kollektiv Knitta Please. Im Stile der Graffiti-Bewegung zogen die Mitglieder von Knitta Please meist Freitagnacht oder in den frühen Morgenstunden am Sonntag durch die Straßen und schmückten Straßenlaternen, Hydranten, Telefonzellen und andere öffentliche Möbel mit Knit Graffiti. Ziel dabei war es, den tristen und grauen Ecken der Stadt mehr Wärme, Farbe und Schönheit zu verleihen. Schnell fand dieses Kollektiv weltweit viele Nachahmer. Schon bald fand man auch in Skandinavien, Japan und Südafrika Strickmuster in den Städten. Derzeit sitzt der Kern der Szene in den USA, Spanien und in England. Durch Blogs sind die Knitter untereinander gut vernetzt.

Politisierung der Bewegung

Ging es am Anfang noch um Schönheit, so nahm die Guerilla Knitting Bewegung schnell politische Züge, vor allem unter den jungen Künstlern, an. Das Radical Crafting ist so also nicht mehr nur Schmuck, sondern auch Protest gegen industriell gefertigte Massenwaren. Auf diese Art und Weise erobern sich die Knitter symbolisch ein Stückchen der Stadt zurück. Oft sind auch feministische Aussagen der Knitter zu erkennen – allgemein bezeichnet man diese Form der Streetart oft als sehr weiblich. So wurden auf einer Demonstration zum Frauentag 2011 in Wien die Straßen mit vielen Strick-Kunstwerken geschmückt. Aber auch nach der Fukushima-Katastrophe 2011 fand man in vielen Städten weltweit Knittings, die die Anti-Atomkraft-Bewegung unterstützen und Aufmerksamkeit erregen sollten. 2012 wurde in Dortmund außerdem das Kollektiv Linke Masche gegründet, die für mehr Solidarität und gegen Rechts stricken.

Als Urban Knitting wird meist der Teil der Bewegung bezeichnet, bei dem die Kunst im Vordergrund steht. Die Begeisterung für diese Kunstform ist mittlerweile so groß geworden, dass es sogar Wettbewerbe, Ausstellungen und eigens ins Leben gerufene Award-Verleihungen gibt. Dabei erfasst das Strickfieber mittlerweile ganze Städte, wie das Projekt der renommierten Künstlerin Monika Nordhausen zeigt: Zusammen mit ihrem Team hat die Aachenerin die ganze Stadt bestrickt. Die schönsten Bilder der eingestrickten Stadt gibt's hier.

Legal oder nicht?

Übrigens: Genau genommen ist Guerilla Knitting genauso wenig legal wie Graffiti – obwohl das Gestrickte oder Gehäkelte problemlos und ohne Rückstände zu entfernen ist. Das Strafmaß für Knitter fällt in der Regel – sollte eine Strafe verhängt werden - aber nicht sonderlich hoch aus. Meist wird über die gestrickten Kunstwerke seitens der Kommunen oder Städte lächelnd hinweggesehen.

Mittlerweile wurde sogar der International Yarn Bombing Day ins Leben gerufen, an dem Knitter weltweit ihre Stadt mit Gestricktem verschönern.

Auch für Zuhause lässt sich diese Form der Kunst anwenden – ganz legal natürlich! Mit ein wenig Stricktalent lassen sich schöne Farbakzente am Bett oder an Stehlampen setzen. Für das i-Tüpfelchen im Wohnzimmer sorgt übrigens ein gemütlicher Strick Pouf – eine Sitzgelegenheit der besonderen Art!

 

Text: Jana Luttmann

Nach Schlagworten suchen
Newsletter bestellen

Deine Vorteile

  • Regelmäßige Information zu neuen Angeboten, Shoppartnern und Services
  • Exklusive Aktionen und aktuelle Gewinnspiele
  • Immer "Up to Date" durch Trend-Tipps und praktische Ratgeber
Kommentare(2) Kommentar schreiben
@Jani: immerhin! mir fehlt da das durchhaltevermögen
Miriam Kraus 19.11.2012, 17:40Uhr
Ich find das ne coole Idee: Warum das Leben nicht einfach bunter gestalten als es ist?! Und überhaupt sind Häkel- und Stricksachen ja wieder voll im Trend. Nur schade das ich zwei linke Hände hab (und kein Linkshänder bin). Das einzige was ich hinbekomme sind Schals.
Teresa Janison 04.09.2012, 09:22Uhr
Der moebel.de Newsletter:
Sale-Aktionen, Trend Tipps, Wohnideen