EX-Designklassiker

Was ist Design?

Es soll Leute geben, die behaupten, jeder Mensch wäre ein Designer. Also Du und ich, wir alle. Den Menschen sehen diese Leute vor allen Dingen von seiner schöpferischen Seite und betonen seine Eigenschaft, ein meisterhafter Problemlöser auf zwei Beinen zu sein. Ausgestattet mit zwei Daumen und einem ziemlich großen Gehirn entwirft der Mensch praktisch täglich neue Konzepte, mit denen er der Welt begegnet und sein Handeln in ihr gestaltet.

 

Aus einer solchen Perspektive betrachtet, hat es Designer also irgendwie schon immer gegeben, selbst wenn sie niemand so genannt hat. Und an dieser Stelle beginnt es, für uns interessant zu werden. Wir fragen: Ab wann begannen die Leute denn, von Design zu sprechen? Was meinen wir eigentlich, wenn wir dieses Wort in den Mund nehmen?

 

Der Begriff "Design"

Der Begriff „Design“ entsteht in der für uns heute gebräuchlichen Form erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was verwundert: So spät? Aber es gab doch schon lange vorher Designermöbel, allein die Fülle an Bauhaus-Modellen, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, das ist doch alles Design! Aber es stimmt: „Design“, wie wir es verwenden, taucht erst spät auf, unter Fachleuten hingegen ist es natürlich schon vorher ein Begriff. Von der Herkunft des Worts her, dem lateinischen Wort „designare“, kann man die Bedeutung von „Design“ erschließen, welche auch im italienischen „disegno“ noch heute enthalten ist: Es geht um einen gestalterischen Versuch, um einen Entwurf. Die Italiener betonen die kreativen Aspekte, meinen die Schaffung und Skizzierung einer Idee, wenn sie das Wort „disegno“ verwenden. „Un disegno“, das kann die Zeichnung des Bildhauers sein oder die eines Kindes, das sich an Stift und Papier versucht. Die Ursprünge dessen, was wir heute als „Design“ bezeichnen, liegen im Zeitalter der industriellen Revolution: Neue Produktionsmethoden, z.B. die Trennung von Kopf- und Handarbeit oder die Einteilung in viele kleine Arbeitsschritte, verändern grundlegend die Art und Weise, wie gearbeitet wird. Zudem macht es die Serienproduktion am Fließband erforderlich, sich vorher ein klares Bild von dem zu machen, was man später produzieren wird: Ein Prototyp muss her. Und – man kann es sich vorstellen – bevor die Bänder anlaufen und tausende Produkte produziert werden, muss der Prototyp für gut befunden und gegen seine Kritiker verteidigt werden. Vielleicht muss sich der Designer, der hinter dem Prototyp steht, sogar gegen konkurrierende Entwürfe durchsetzen. In jedem Fall muss die anschließende Produktion durch gute Gründe gerechtfertigt sein. Es leuchtet ein, dass es stärker denn je der Entwurf ist, der in das Zentrum des Interesses rückt und damit die Frage: Wie gestalte ich dieses Ding?

 

Ein Objekt macht tausende

Die Vorzüge dieser neuen Art der Fertigung sind zahlreich. Unter minimiertem Aufwand menschlicher Arbeitskraft können plötzlich unglaubliche Stückzahlen hergestellt werden. Bereits 1849 produziert Michael Thonet in Wien über 800.000 Stühle pro Jahr, eine gigantische Zahl angesichts der Tatsache, dass die Industrie (v.a. auf dem europäischen Festland) zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckt. (Übrigens gibt es das Unternehmen Thonet noch immer, mittlerweile in der 5. Generation. Die Stühle sehen noch immer toll aus!)

 

Michael Thonet war also sicherlich nicht der erste Designer (vor allem, weil wir die „Jeder-Mensch-ist-ein-Designer-Theorie“ nicht ganz außer Acht lassen wollen), aber der letzte war er auf keinen Fall. Nach ihm skizzierten, entwarfen und schufen zahlreiche kreative Köpfe unzählige Produktdesigns nach immer neuen Ideen und Idealen. Ob nun Louis Henri Sullivan mit seinem berühmten „form follows function“, Raymond Loewy mit seinem Stromliniendesign z.B. für Dampflokomotiven, Charles Eames mit seinen Stühlen, Wagenfeld mit seiner Lampe oder Frank Lloyd Wright mit seinem Guggenheim Museum – die Designer vergangener Zeiten haben uns großartige Dinge hinterlassen, ob sie nun Architekten waren, Künstlerpersönlichkeiten, Handwerker, Shooting-Stars, exzentrische Freaks oder sonst etwas.

 

Was bedeutet Design für Dich?

Die Frage nach dem Begriff „Design“ scheint damit noch lange nicht beantwortet zu sein. Aber das macht nichts: Man hätte jeden der oben genannten Designer nach dem besten Design fragen können, man hätte die unterschiedlichsten Antworten bekommen – und selbst auf die Frage „Was ist Design?“ sicherlich keine einhellige Antwort. „Design ist unsichtbar“, so Lucius Burckhardt, „Design is thinking made visual“, so Saul Bass – jau, alles klar.

 

Was bedeutet Design für Dich? Meinen wir nicht durchdachte, formschöne Objekte, die ihrer Funktion gerecht werden und durchaus einen Euro mehr kosten dürfen, dafür allerdings auch von besonderer Qualität sind? Wenn wir von Designer-Dingen sprechen, sprechen wir dann nicht von Form, Funktionalität, Stil und Exklusivität, von Geschmack? Und davon, dass sich irgendein Hauptberufler höchstpersönlich um die Gestaltung gekümmert und dem Objekt seinen klangvollen Namen gegeben hat?

 

Historisch gesehen bleibt von Exklusivität nicht sonderlich viel übrig, ging es doch zunächst um Produkte „von der Stange“ – oder vielmehr vom Fließband. Erst mit der Zeit entstand, was wir heute unter Design verstehen, was wir meinen, wenn wir zum Beispiel von Designermöbeln sprechen. Einblicke in die Stationen der Designgeschichte können außerordentlich unterhaltsam sein. Freu Dich auf weitere Artikel zum Thema „Design- Klassiker“, demnächst auf moebel.de!

 

Text: Simon Kastner

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