Kolumne

Leben im Alter

Alter klingt alt. Ich habe Bilder im Kopf, Märchenbilder, in denen Omis einen grauen Dutt trugen und im Schaukelstuhl saßen, einige stickten Bilder. Und die Opis, sie rauchten Pfeife und gingen am Stock spazieren. Das war Gestern, als ich dachte, Märchen werden wahr. Heute, 40 Jahre später, sehe ich mich um und stelle fest, dass alles anti-aging ist. Aber ich will pro-aging. Ich will dafür sein, dass das Alter ein anderes Gesicht bekommt. Gicht, Arthrose, Bandscheibenvorfälle – ich will das nicht. Ich will die Falten, die eine Geschichte erzählen und vielleicht den Schaukelstuhl, aber eher im Look von shabby-chick.

Heute sind die Alten anders, aber auch nicht cooler. Sie spritzen sich Botox in die Stirn, saugen sich Fett aus den Hüften und trainieren überschüssige Pfunde mit jungen Liebhabern ab. Familien sterben aus und Paare schaffen's nicht einmal ins 7. Jahr, dieses verflixte. Also denken wir um. Ich bin Mitte 40 und denke ans Alter, obwohl ich gerade mal geschlüpft bin. Denke ich – meine Töchter denken da natürlich anders.

Wie will ich wohnen, wenn der Traummann den Sprung in die Realität doch nicht mehr schaffen sollte? Ich will die Wohngemeinschaft, mit meinen Freundinnen, den sexy Pflegern. Will keine Einbauschränke, die man nicht bewegen kann. Ich brauche nicht den heißen Mini und die hohen Pumps, aber ich will flott bleiben, will meinen Geist erfrischen und danken, dass ich bin. Dass ich wohnen und leben kann, nicht dahin vegetieren, mich nicht für Suppe im Altersheim anstellen muss.

Vielleicht auch lebe ich auf einer Insel und baue mir mein letztes Paradies, errichte ein kleines Gästehaus für Menschen im schönsten Alter. Wo sich Weisheit und Dankbarkeit die Hände reichen und streicheln. Wo man die Muße hat, stundenlang aufs Wasser zu schauen, den Wellen hinterher, dem Horizont entgegen. Wo man sich danach wiederum auch stundenlang mit jungen Menschen im Austausch befindet, sich gegenseitig das Leben in seinem Alter zeigt. Noch hungrig ist nach neuen Speisen, nach neuen Begegnungen und neuen Küssen. Wo man am Feuer sitzt, sich das Stockbrot reicht und vielleicht im modernen Rollstuhl mit Krokoledersitz wieder nach Hause rollt.

Zuhause – wie wird es sein, im Alter, wenn man in jungen Jahren so viel Wert darauf legte? Brauchen tut man nicht mehr viel, und wonach man sich sehnt, das findet man in keinem Katalog, das findet man dann nur in sich. Daher muss der innere Tank auch voll sein, damit man daraus reichlich pflücken kann: schöne Erinnerungen, Bilder und Märchen, nach denen sich auch die Enkel verzehren.

Wohnen im Alter – vielleicht am Wasser, auf dem Land, in der Stadt? Im schicken Penthouse, in einer Wohngemeinschaft, im betreuten Wohnen? Wo auch immer wir eines Tages landen, mögen wir es uns genau so einrichten, dass wir uns richtig wohl fühlen. Nicht wortlos und ohne Besucher sein, nicht stundenlang aus dem Fenster der Jugend hinterher starrend, weil Hüftschaden und Inkontinenz den Gang vor die Tür verhindern. Gelassen glücklich. Glücklich gelassen. Ein Märchen, das in weiter Ferne liegt? Die Uhren ticken immer schneller, und morgen schon schlagen die Zeiger zum letzten Mal! Genießen wir jeden Augenblick – in Liebe, Wertschätzung und Hoffnung.

 

Ihre Conni Köpp

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