Wie Gott in Frankreich… Ratgeber Recamieren

Wer das Wort „Recamiere“ hört, der denkt wohl zuerst an römische Kaiser oder den französischen Sonnenkönig Louis XIV wie sie sich, genüsslich auf einem Liegesofa lümmelnd, Weintrauben von einer Rebe pflücken, die eine üppige Schönheit über ihre Gesichter hält. Und in der Tat ist eine Recamiere ein kaiserliches, ein außergewöhnliches Möbelstück. Deshalb passt sie auch nicht unbedingt in jede Wohnung. Was es beim Kauf einer Recamiere zu beachten gibt, wie und ob Sie überhaupt das richtige Modell für Ihr Zuhause finden und was eine der schönsten Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts mit diesem Möbelstück zu tun hat, das erfahren Sie hier.

Der Meister und seine Muse – Recamieren damals und heute

So  oder so ähnlich sah wohl die Recamiere zu Zeiten ihrer Namensgeberin  Julie Recamier aus
So oder so ähnlich sah wohl die Recamiere zu Zeiten ihrer Namensgeberin Julie Recamier aus
Unter dem Begriff „Récamière“ versteht man eine Kombination aus Sitz- und Liegemöbel, im Prinzip also eine Mischung aus Sofa, Liege und Sessel. Den Ursprung des Wortes und damit auch seine ungewöhnliche Schreibweise ist dem Land der Baguettes und Crèpes geschuldet: Die Récamière verdankt ihren Namen dem französischen Maler Jacques-Louis David, oder besser gesagt seiner Muse, der französischen Schriftstellerin Julie Récamier (sie galt damals als eine der schönsten Frauen der Welt), die ersterer im Jahre 1800 auf eben diesem Möbelstück liegend zeichnete.

Das damalige Modell, der Vorläufer der heutigen Recamieren, war eine längliche, leicht gepolsterte Holz-Liege ohne Rückenlehne, dafür aber mit zwei hohen, geschwungenen Seitenlehnen. Heutzutage sieht die Récamière ähnlich, aber doch anders aus: Sie ist immer noch klar erkennbar eine Liege, allerdings dicker gepolstert und/ oder gefedert. Eine Rückenlehne ist in der Regel, im Gegensatz zu damals, immer vorhanden; allerdings nicht durchgängig, sondern in einer geschwungenen Form, die an einem Ende hoch ist und zum anderen Ende hin immer niedriger wird. Dafür fehlt hier allerdings im Gegensatz zu den ursprünglichen Recamieren meist die Armlehne an der freien Seite, also dort, wo sich die Rückenlehne absenkt. Aber natürlich bestätigen auch hier einige Ausnahme-Modelle die Regel: So gibt es die Loungeliegen zum Beispiel ganz ohne Rückenlehne, dafür aber mit einer zur Kopfstütze umfunktionierten Seitenlehne.

Ottomane und Chaiselongue – Nahe Verwandte der Recamiere

Recamiere  oder Ottomane als luxuriöser Blickfänger
Recamiere oder Ottomane als luxuriöser Blickfänger
Synonym zum Begriff „Recamiere“ werden oft auch die Wörter „Chaiselongue“ oder „Ottomane“ verwendet. Letztere sieht in der Regel genauso aus wie eine Recamiere, der einzige Unterschied ist hier wirklich nur die Bezeichnung. Dabei stammt auch das Wort „Ottomane“ aus dem französischen und bedeutet so viel wie „osmanisch“. Das wiederum verweist auf die vermutete Herkunft dieses Möbelstücks – das Mutterland der Ottomane oder Recamiere ist angeblich das frühere osmanische Reich, also die heutige Türkei.

Die Chaiselongue unterscheidet sich in ihrem Aussehen am stärksten von Ottomane und Recamiere. Oft auch als „Römersofa“ bezeichnet, verfügt die Chaiselongue normalerweise nicht über eine Rückenlehne und auch nur über eine einzige Seitenlehne, die aber abgeschrägt ist und als Kopfstütze dient. Weiteres Merkmal dieses Liegesofas: Der einheitliche Bezugsstoff, der alle Konstruktionsteile des Möbelstücks mit Ausnahme der Füße vollständig bedeckt.

Recamiere vs. Chaiselongue: Unterschiedliche Funktionsweisen

Je  nach Neigungswinkel der Kopfstütze wird eine Chaiselongue eher als  Sitz- oder Liegemöbel verwendet
Je nach Neigungswinkel der Kopfstütze wird eine Chaiselongue eher als Sitz- oder Liegemöbel verwendet
Der Sitz- beziehungsweise Liegecharakter der Chaiselongue wird maßgeblich durch den Winkel der Seitenlehne/ Kopfstütze bestimmt: Je flacher, desto eher lädt das Möbelstück eher zum Liegen als zum Sitzen ein. Dabei ist die Chaiselongue nur für eine Person gedacht, die nicht seitlich sondern auf dem Hintern/ Rücken liegt und wird gern zum Beispiel für einen kurzen Mittagsschlaf genutzt – bei einem längeren Nickerchen samt Tiefschlafphase und Hin- und Herwälzen bestünde die Gefahr des Runterpurzelns. Der Sitzkomfort dieser Variante ist aufgrund der fehlenden Rücken- und der stark abgeschrägten Seitenlehne (Kopfstütze) eher niedrig. Nur wenn letztere gut gepolstert und hoch genug ist , kann die Chaiselongue auch als Sitzmöbel verwendet werden, zum Beispiel als gemütlicher Platz zum Lesen.

Recamiere und Ottomane sind primär Sitz- beziehungsweise Loungemöbel. Als Sitzgelegenheit können sie dabei auch mehreren Personen Platz bieten. Für sich alleine beansprucht die Recamiere, wer sich langstrecken will, also in einer Position zwischen liegen und sitzen verharren möchte. Dabei hat sich das seitliche „Liegen“ mit dem Rücken zur Rückenlehne, bewährt. Für ein Mittagsschläfchen eignen sich Ottomane und Recamiere daher ebenfalls – hier kann man dann (im Gegensatz zur Chaiselongue) zumindest rückwärts im Schlaf nicht runterpurzeln

Extravaganz im Wohnzimmer

Recamiere, Ottomane und Chaiselongue sind drei extravagante, auffällige Möbelstücke. Daher sollten sie auch mit Bedacht ausgewählt werden, um in ihrer voller Pracht im Raum zur Geltung kommen zu können. Am besten passen sie ins Wohnzimmer, wo sie allerdings nicht als primäre Sitzgelegenheit angeschafft werden sollten. Der Grund: Sie bieten nur wenigen Personen Platz und können in der Regel nicht den gleichen, hohe Sitzkomfort bieten wie ihre Verwandten, die Sofas , Polsterliegen und Co.

Vielmehr sollten Recamiere, Ottomane und Chaiselongue eine stilvolle Ergänzung der Einrichtung, ein Blickfänger mit Mehrwert (Entspannung, Schläfchen…) sein. Daher werden sie am besten an einer exponierten Stelle im Wohnzimmer platziert, wo sie sofort ins Auge stechen. Achten Sie außerdem bei der Auswahl ganz besonders auf die vorherrschende Stilrichtung Ihres Wohnzimmers. Bei vielen Recamieren, Ottomanen und Chaiselongues schwingt ein Hauch Nostalgie oder Barock mit, manchmal auch Landhaus- oder Retro-Charme oder puristische Eleganz. Sollten Sie nicht bewusst einen Stilbruch wagen wollen, gleichen Sie das gewünschte Modell am besten dem Rest der Einrichtung an.

Recamieren: Preisliche Unterschiede

Preislich unterscheiden sich die einzelnen Varianten wohl hauptsächlich anhand der Materialwahl – Leder und hochwertige Stoffe sind teurer als zum Beispiel Microfaser; edle Holzfüße kosten mehr als einfache Edelstahlfüße. Aber auch die Größe des Möbels spielt preislich eine Rolle – in der Regel wird für größere Exemplare mehr Geld verlangt als für kleinere Modelle.

Kaiserliches Lümmel-Vergnügen auf der Recamiere

Modern-puristisch  – Die Recamiere hat ihr angestaubtes Image längst abgelegt
Modern-puristisch – Die Recamiere hat ihr angestaubtes Image längst abgelegt
Egal ob nach Feierabend, zum Mittagsschlaf oder mit einer Tasse Kaffee und einem Buch – wer sein Haupt auf einer Recamiere bettet, der kann sich fühlen wie der französische Sonnengott Louis XIV. und sich beim Lümmeln und Entspannen in vergangene Zeiten träumen – eine Recamiere ist eben etwas ganz Besonderes, ein Möbel, das nicht jeder hat, ein Stückchen Luxus.
Fragen & Antworten (2) Frage stellen
test(1Antworten)
test
Uhr
27.06.2013 09:59:00Uhr
 
Der moebel.de Newsletter:
Sale-Aktionen, Trend Tipps, Wohnideen