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Video: So selbstironisch kann Vitra sein

von Bianka Echtermeyer

In einem Firmenvideo erklärt Möbelbauer Vitra seine Geschichte. Schnarch, langweilig, denkst du? Dann schau dir diesen witzigen Film an.

Vitra tickt anders. Das erkennt man am außergewöhnlichen Design der Möbel, aber auch schlicht an der Einstellung der Designer, die dort arbeiten. Als die Firma beispielsweise Anfang der 1960er-Jahre den Panton-Stuhl auf den Markt brachte, haben viele mit dem Kopf geschüttelt. Wie soll man auf einem gebogenen Stück Plastik ohne Beine sitzen? Ganz einfach, indem man es ausprobiert. Inzwischen ist der Panton ein Designklassiker, der sogar im Museum of Modern Art in New York ausgestellt ist.

Und genau diese kreative und selbstkritische Sicht auf die Welt kommt auch im Firmenvideo rüber, das Vitra auf seinem YouTube-Kanal eingestellt hat. Normalerweise interessiert sich für diese Imagefilme ja kaum jemand – wer will schon wissen, wie ein Industriegebäude aussieht oder was ein Firmeninhaber in endlosen Sätzen über die Unternehmensphilosophie referiert, bis auch der letzte Zuschauer eingeschlafen ist?

Was die Liebe zu einem Stuhl alles auslösen kann

Aber Vitra nimmt sich in seinem Video selbst aufs Korn. In schnellen Bildern erklären und witzeln sie zugleich. Und so taucht auch einmal ein Stinkefinger oder ein Bild vom Papst auf. Am deutschen Standort Weil am Rhein kauen Schafe vor der Linse und Model Kate Moss rekelt sich auf einem Cover.

Nebenbei erfährt man im Schnellverfahren, wie sich das Vitra-Gen entwickelt hat. Es ging 1953 los, als der Firmeninhaber Willi Fehlbaum in die USA reiste und sich hoffnungslos in einen Stuhl des Designerehepaars Charles und Ray Eames verliebte. Er war so fasziniert davon, dass er die Möbel unbedingt nach Europa bringen wollte. Und von da an nahm alles seinen Lauf. 1956 entwarfen die Eames den bekannten Lounge Chair, einen gemütlichen Clubsessel, der ein Verkaufsschlager wurde. Inzwischen arbeiten zahlreiche neue Designer für das Unternehmen nach dem Motto: Möbel bauen, die es bisher noch nicht gab. „Dieser Druck holt das Beste aus uns raus“, sagt Jay Osgerby, einer der Designer.

Ist der Film am Ende nicht doch nur pure Werbung? Sicher, er ist ja auch ein Imagefilm. Aber einer, den man sich richtig gerne anschaut.

 

Im Aufmacher: Der Panton-Chair von 1957 wird bis heute produziert. Foto: Vitra/Screenshot

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