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Expertin des Monats: Michaela Geschka

von Laura Drühe

Inneneinrichterin Michaela Geschka verrät im Interview, welche Farben beruhigend wirken und warum die besten Partys in der Küche stattfinden.

Inneneinrichterin Michaela Geschka ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V. (dghr). Home Staging – damit ist ein Verkaufskonzept aus der Immobilienbranche gemeint. Der Grundgedanke: Immobilien verkaufen oder vermieten sich besser, wenn die Räume ansprechend eingerichtet sind. Geprägt hat den Begriff Anfang der 70er Jahre die Amerikanerin Barbara Schwarz. Statt leere Häuser zu inserieren, entwickelte Schwarz die Idee, Immobilien wie eine Theaterbühne (engl. „stage“) für das interessierte Publikum zu „inszenieren“. Schließlich können Käufer und Mieter das Potenzial einer Wohnung besser erkennen, wenn sie schön eingerichtet ist. Praktischer Nebeneffekt: Die Leihmöbel können anschließend erworben werden.

Michaela Geschka hat 2011 ihre eigene Home-Staging-Agentur gegründet. Neben der Verkaufsförderung von Immobilien hat sie sich vor allem auf Wohnpsychologie und die Beratung von Kunden hinsichtlich der Umgestaltung ihrer Räume spezialisiert – sowohl von Privatwohnungen als auch von Arztpraxen oder Geschäften. Dazu gehören Farb- und Beleuchtungskonzepte sowie der optimale Einsatz von Möbeln und Accessoires. Michaelas Motto: „Mit Stil ans Ziel“.

Schöne Textilien und eine gemütliche Beleuchtung: Die Arbeit unserer Expertin Michaela Geschka
Mit Heimtextilien, der richtigen Beleuchtung und reduzierten Möbeln verwandelt Michaela Geschka Immobilien in Wohlfühlzonen.
Foto: home staging Agentur Michaela Geschka

moebel.de: Sie beschäftigen sich viel mit Wohnpsychologie. Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass Jugendliche zu Hause meist den Raum auswählen, der am nächsten an der Haustür liegt und so ihren Wunsch nach Autonomie ausdrücken. Können Sie noch weitere Beispiele nennen, wie ganz unbewusst Wohnentscheidungen gefällt werden?

Michaela Geschka: Hier spielen immer individuelle Bedürfnisse eine Rolle. Jugendliche befinden sich in einer Phase der Neuorientierung und wollen ohne Aufsicht die Welt kennenlernen. Im Gegensatz zum Kleinkind, das Geborgenheit und Schutz sucht und daher in der Nähe des Elternschlafzimmers seinen Platz haben möchte. Ein anderes Beispiel: Die Küche ist mehr ein Kommunikations- als ein Funktionsraum. Früher traf man sich an der Feuer- bzw. Kochstelle, um sich zu wärmen und auszutauschen. Heute wünschen sich viele eine offene Küche, die in den Wohnraum übergeht. Und wie oft starten Partys heute in der Küche! Je gemütlicher die Küche, umso wohler fühlt man sich.

"Die Küche ist mehr ein Kommunikations- als ein Funktionsraum."

moebel.de: Gibt es bestimmte Wohnaccessoires oder Möbel, auf die Sie immer wieder gern zurückgreifen, weil sie ganz schnell Wohlfühl-Atmosphäre schaffen?

Michaela Geschka: Ja, die Haptik von Stoffen ist hier sehr bedeutend. Kissen aus Samt, Gardinen aus Leinen, Teppiche aus weichem Flor, Felle – alles was sich beim Berühren und Sitzen angenehm anfühlt, hat Einfluss auf die gefühlte und sichtbare Wohnatmosphäre.

moebel.de: Oft wissen wir einige leere Flächen in der Wohnung nicht recht zu nutzen. Haben Sie einen Tipp, was immer gut funktioniert?

Michaela Geschka: Die Frage ist: Muss man sie wirklich nutzen? Auch leere Flächen ohne Einsatz von Deko können positiv wirken. Zum Beispiel ein Holzboden, auf den die Sonne scheint und ihn dadurch zum Glänzen bringt. Ansonsten funktionieren frische Blumen- oder Pflanzenarrangements gut. Entweder minimalistisch – ein paar Natur-Zweige oder exotische Strelitzien in einer schnörkellosen Bodenvase – oder platzsparend und luftig, etwa eine kopfüber arrangierte Orchidee in einer Hängevase. Gerade in einem großen Raum wirkt es ebenso toll, ein Bild nur an die Wand zu lehnen oder ein größeres Geweih einfach auf den Boden zu legen.

Der Barcelona-Chair in Weiß verleiht diesem Wohnzimmer ein helles Wohlfühlambiente
Helle Töne und Designklassiker wie die Barcelona Chairs lassen das Wohnzimmer freundlich und aufgeräumt wirken.
Foto: Gerhard Blank

moebel.de: Kommen wir noch einmal auf das Thema Wohnpsychologie zurück. Inwieweit beeinflussen Einrichtungs-, Licht- und Farbkonzepte in Arztpraxen und Geschäften eigentlich unser Wohlbefinden?

Michaela Geschka: Licht und Farbe haben einen immensen unbewussten Einfluss auf unser Wohlempfinden. Das Wissen, wie die verschieden Farben auf das Unterbewusstsein wirken, ist in der Farbtherapie belegt, die schon die alten Ägypter und Griechen angewendet haben, um Krankheiten zu heilen. Von daher kann man sich die Farbtherapie auch zunutze machen, um Räume auf den Betrachter wirken zu lassen: Blautöne beispielsweise beruhigen, während Töne in Rot und Gelb anregen. Nehmen wir mal ein Wartezimmer in einer Arztpraxis: Wenn wir davon ausgehen, dass ein kranker Patient eh schon angespannt ist – aufgrund seines Gesundheitszustandes oder in Erwartung der Aussage des Arztes – würde die Farbe Rot die Aufregung sicherlich noch steigern. Hier wäre Blau ratsamer, denn es beruhigt und hilft nachgewiesen gegen Angstzustände.

"Blautöne beispielsweise beruhigen..."

Im Einzelhandel dagegen sollte man sich fragen, wie sich der Kunde in einem Geschäft fühlen soll. Soll er sich schnell umschauen? Oder will ich ihn zu längerem Bleiben ‚verführen’, damit er sich mein Angebot in aller Ruhe ansieht? Hier spielt das Farbkonzept eine ebenso bedeutende Rolle wie das Lichtkonzept. Zumal Licht nicht nur die Funktion hat, einen Gegenstand besser sichtbar zu machen, sondern immer auch die Gefühle bestimmt.

moebel.de: Wie kreieren Sie daheim Ihre persönliche Wohlfühl-Atmosphäre?

Michaela Geschka: Für mich ist ein Kamin immer ein Highlight. Ich verbinde damit eine entspannte, wohlige Atmosphäre, ob allein oder in Gesellschaft. Der Blick ins Feuer macht den Kopf frei. Eine Studie des Kölner Rheingold-Instituts belegt, dass wir beim Betrachten eines Feuers seelischen Ballast abwerfen und eine Veränderung zustande kommt. Genau wie das Holz, das sich verändert und zu Asche wird. In meinem Wohnzimmer und Schlafzimmer habe ich einen hochwertigen Bioalkoholkamin aufgestellt – als Alternative, weil kein ‚Kaminanschluss’ vorhanden war.

"Der Blick ins Feuer macht den Kopf frei."

Außerdem sollte ein Raum immer aufgeräumt wirken und nicht mit zu viel Mobiliar zugestellt oder im Übermaß dekoriert sein. Ich bevorzuge ein Farbkonzept mit einem Farbschema, gerne Grau oder Naturtöne. Wenn bunte Akzente gesetzt werden, dann nur mit Bildern oder frischen Blumen. Und lieber wenige und dafür ausgewählte Accessoires wie Kissen und Tagesdecken, die sich angenehm anfühlen.

Darüber hinaus hat Beleuchtung bei mir einen hohen Stellenwert, da sie entscheidend für die Wohnatmosphäre ist. Wichtig sind mir in den Haupträumen mindestens drei Lichtquellen – idealerweise dimmbar, sodass ein Funktionslicht schnell in ein Akzentlicht umgewandelt werden kann. Am Schreibtisch mag ich gern eine direkte Arbeitsleuchte und im restlichen Raum dafür angenehmes indirektes Licht, anstatt das gesamte Arbeitszimmer mit einer Deckenleuchte funktionell auszuleuchten.

moebel.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Michaela Geschka ist Expertin in unserer Rubrik Wohnideen. Hier findet ihr jede Menge inspirierender Einrichtungsideen, die richtigen Experten für die unterschiedlichsten Projekte und tolle Produkte für euer Zuhause.

Im Aufmacher: Michaela Geschka. Foto: home staging Agentur Michaela Geschka

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