Wohnbasics

Die Stehleuchte Gräshoppa von Greta Magnusson

von Laura Drühe

Mit der Stehleuchte Gräshoppa entwarf Greta Magnusson Grossman einen Designklassiker, der auch nach knapp 70 Jahren für zeitlose Eleganz steht.

Irgendwie erinnert sie tatsächlich an einen Grashüpfer. Mit ihren langen, filigranen Beinen und dem nach vorne gereckten Hals – als wäre sie ein lebendiges Objekt, stets bereit zum Sprung. Ob Designerin Greta Magnusson Grossman solch ein Insekt vor Augen hatte, als sie 1947 die heute weltberühmte Stehleuchte Gräshoppa (schwedisch für Grashüpfer) entwarf?

Kalifornische Moderne trifft skandinavischen Minimalismus

Klar ist zumindest: Mit ihren einfachen und doch sehr eleganten Linien und der skulpturalen Form verbindet die Gräshoppa-Lampe zwei wichtige Designrichtungen der 1940er Jahre: den skandinavischen Minimalismus und das amerikanische Mid-Century-Design – das nicht zuletzt durch die Serien wie Mad Men in jüngster Zeit eine Renaissance erlebte. Der Grund für diese Stil-Symbiose liegt in Greta M. Grossmans eigener Vita begründet. Sie zog 1940 von Stockholm nach Los Angeles und brachte die europäische, noch vom Bauhaus geprägte Moderne unter die lässige kalifornische Sonne.

Weitere Merkmale der Stehlampe, die international auch Grasshopper oder GM1 genannt wird, sind ihr leicht nach hinten geneigtes Stahlgestell, das dreifüßige Stativ mit breiten Bodenplättchen sowie ihr kegelförmiger Aluminiumschirm, der an einem flexiblen Leuchtenarm befestigt ist und so individuellen Bedürfnissen angepasstes Leselicht spendet. Sie ist in fünf Farben erhältlich: in klassischem Schwarz und Weiß sowie in drei sanften Pastelltönen, die den Fifties-Look vervollständigen. Alle Modelle sind pulverbeschichtet und kratzfest. Ursprünglich für einen Hersteller in den USA entworfen, wird die Gräshoppa seit 2011 vom dänischen Designunternehmen Gubi nach Originalentwürfen aus den Vierziger Jahren produziert. Und sorgt noch immer für einen Wow-Effekt in jedem Raum.

Der kreative Kopf hinter Gräshoppa: Greta M. Grossman (1906-1999)

Designerin eines Klassikers – allein dies ist ein Verdienst, auf den Möbeldesignerin und Architektin Greta M. Grossman Zeit ihres Lebens stolz sein konnte. Doch die Schwedin war so viel mehr als das. Als eine der ersten Frauen überhaupt gelang es ihr, in der bis dato von Männern dominierten Design- und Architekturszene Fuß zu fassen und beträchtliche Erfolge zu erzielen.

1906 im schwedischen Helsingborg geboren, schloss sie in den späten Zwanziger Jahren in ihrer Heimatstadt eine einjährige Tischlerausbildung ab und schrieb sich anschließend im Stockholmer Kunstinstitut Konstfack ein. Nach dem Abschluss eröffnete sie im Jahr 1933 ihr eigenes Atelier in Stockholm – eine Mischung aus Werkstatt und Möbelgeschäft – und heiratete im selben Jahr den amerikanischen Jazzmusiker Billy Grossman. Es folgten zahlreiche prestigeträchtige Aufträge (unter anderem entwarf sie das Kinderbett für die schwedische Prinzessin Birgitta) und wichtige Auszeichnungen, ehe sie 1940 mit ihrem Mann nach Los Angeles übersiedelte. Dort eröffnete sie am Rodeo Drive ein Designstudio, in dem sie selbst entworfene Möbel, Accessoires und Lampen verkaufte – zu ihren Kunden zählten Frank Sinatra, Greta Garbo und Ingrid Bergman.

Mit der Stehleuchte Gräshoppa gelang der schwedischen Möbeldesignerin und Architektin Greta M. Grossman der internationale Durchbruch.
Foto: Gubi

Vor allem in den Vierziger, Fünfziger und Sechziger Jahren beeinflusste Greta M. Grossman die skandinavische und amerikanische Design- und Architekturszene ganz entscheidend. So zählt neben der Gräshoppa-Lampe die Tischleuchte Cobra zu ihren bekanntesten Entwürfen, die unter anderem im New Yorker MoMA und im Stockholmer Nationalmuseum ausgestellt wurden. Und sie designte in Los Angeles zahlreiche moderne Häuser, die sie im hügeligen Hinterland auf Stelzen bauen ließ und mit großen Glasfronten ausstatte. Nach dem Tod ihres Mannes 1967 zog sich Greta M. Grossman weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Ihre Entwürfe erlebten vor einigen Jahren ein großes Stil-Comeback.

Im Aufmacher: Die Gräshoppa-Leuchte in der Farbe Vintage Red. Foto: Gubi

Ähnliche Artikel

Kommentare

0
Weitere Artikel
Loading...