Wohnbasics

Der Egg Chair von Arne Jacobsen - Designklassiker

von Christiane Tillmann

Eigentlich entwarf Arne Jacobsen bloß Möbel für ein Hotel-Foyer, doch damit schenkte er uns eine echte Design-Ikone: das legendäre Ei, den Egg Chair.

Als es den Begriff Designhotel noch gar nicht gab, war er schon dabei, eines auszustatten: Der Architekt Arne Jacobsen wurde 1956 beauftragt, das SAS Royal Hotel in Kopenhagen zu planen. Und zwar das Gebäude selbst, aber auch dessen Innenleben. Jedes kleinste Detail, sogar Stoffmuster und das Besteck, wurden von Jacobsen selbst betreut. Daher gilt das Hotel, das als Repräsentant für das Jeset-Zeitalter stehen sollte, bis heute als das umfassendste Gesamtwerk des Dänen.

Aber nicht nur das SAS Royal hat es zwischenzeitlich geschafft, zu einer dänischen Architekturlegende zu werden. Auch – oder besonders – die damals von Jacobsen entworfenen Möbel genießen heute Kultstatus. So entwickelte der Designer für das Foyer des Hotels die Sofaserie 3300, den Drop-Stuhl sowie die Sessel- und Sofavarianten Swan und Egg. Heute allesamt Design-Ikonen.

Portrait Arne Jacobsens mit Stift, Papier und Pfeife
Arne Jacobsen bei der Arbeit. Eigentlich zeichneten sich die Gebäude des dänischen Architekten
durch ihre klaren Linien aus, bei den Möbeln durfte es aber auch schon mal schwungvoller sein.
Foto: Fritz Hansen

Kugelrund und wahnsinnig gemütlich: Die Geburt des Egg Chairs

Anders als das geradlinige Gebäude, in dem sie standen, zeichneten sich die Sessel durch besonders organische Linien aus. Der Egg Chair hat so keine einzige Gerade und scheint sich wie ein textiler Beschützer um seinen „Besitzer“ zu schmiegen. Der Sessel basiert auf einer Stahlkonstruktion, die eine kaltschaumgepolsterte Polyurethan-Schale trägt. Gleichzeitig ist der Egg Chair mittels eines Aluminiumfußes drehbar, sodass man entscheiden kann, ob man mit seinem Gegenüber reden oder lieber für sich alleine sein möchte. Wie auch der Rest des Gebäudes war der Ur-Egg-Chair in schlichtem Grau-Blau gehalten. Das Hotel wurde zwischenzeitlich von Grund auf renoviert, sodass es nur noch ein Zimmer gibt, das im Original-Design gestaltet ist: In Raum 606 kann man bis heute Jacobsens Entwürfe bestaunen.

Doch man muss nicht nach Kopenhagen fahren, um den Egg Chair live zu erleben. Die Möbelmanufaktur Fritz Hansen S/A, die seit 1935 alle Sitzmöbel des Designers herstellt, übernahm die Serienproduktion und produziert den Egg Chair seither in verschiedensten Varianten. Zusätzlich kann man sich den Sessel auch im Museum anschauen, denn als Designklassiker wurde er in zahlreiche Sammlungen integriert.

Im Aufmacher: Ein Sessel wie ein kleiner Raum: Der voluminöse Egg Chair soll demjenigen, der darin Platz nimmt, Geborgenheit schenken. Foto: Fritz Hansen

Ähnliche Artikel

Kommentare

0
Loading...