Wohnbasics

Der Butterfly Stool von Sori Yanagi

von Christiane Tillmann

Eine Brücke zwischen Ost und West, die fast zu schön ist, um darauf zu sitzen: Sori Yanagis Meisterwerk bezaubert durch seine schlichte Form mit Asia-Touch.

Leicht wie ein Wimpernschlag und doch stabil genug, um einen Menschen zu tragen: Mit seinem Butterfly Stool entwickelte der Industriedesigner Sori Yanagi 1954 ein außergewöhnliches Möbel mit einer ganz eigenen Formsprache. Dabei kombinierte er die von Charles und Ray Eames entwickelte Technik der Sperrholzverformung mit östlichen Einflüssen.

So erinnert der Butterfly Stool mit seinen beiden identischen, geschwungen Holzelementen, die durch eine Metallspange zusammengehalten werden, einerseits an die zarten Flügel eines Schmetterlings, andererseits aber auch an ein japanisches Schriftzeichen. Fast schon mehr Kunstwerk als Möbel und ganz Yanagi. Denn der Japaner wurde besonders für die Kombination asiatischer Ästhetik und westlicher Fertigungstechniken mit modernen Materialien bekannt.

Sori Yanagi: der Herr der Hocker

Nach seinem Studium an der Tokioter Kunstakademie designte er zuerst für ein Architekturbüro und schließlich drei Jahre lang für die französische Design-Ikone Charlotte Perriand, die damals in Japan arbeitete. Danach folgten verschiedene Lehraufträge und die Gründung des Yanagi Industrial Design Institute, bis 1954 der endgültige Durchbruch nahte. Yanagi designte zuerst seinen schwungvollen Butterfly und nur wenige Monate später den Elephant Stool – einen schlichten, dreibeinigen Hocker aus glasfaserverstärktem Polyesterharz. Beide Möbel wurden internationale Bestseller und sind bis heute die wohl bekanntesten Entwürfe des Japaners, dem 1964 sogar die Ehre einer Ausstellung auf der documenta III in Kassel zuteil wurde.

Der Butterfly Stool in hellem Holz
Sperrholz in Perfektion: Der Butterfly Stool besteht aus zwei identisch gebogenen Brettern, die in der Mitte von einer Kupferzwinge gestützt werden.
Foto: Butterfly Stool, Sori Yanagi, © Vitra

In seiner Heimat Japan gilt Yanagi als einer der bekanntesten und erfolgreichsten Designer der Nachkriegs-Ära. Er verlieh Autos, U-Bahn-Stationen und Sportstadien ihr Äußeres, blieb dabei jedoch immer seinem Leitspruch treu: „Wahre Schönheit kann man nicht kreieren, sie ist angeboren.“ Demnach steckte die perfekte Form also von Anfang an in jedem Produkt – wie ein Schmetterling, den man einfach nur aus zwei Holzstücken herausarbeiten muss.

Foto im Aufmacher: Butterfly Stool, Sori Yanagi, Florian Böhm © Vitra

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