Wohnbasics

Alessandro Mendinis Sessel Proust – Ein Designklassiker

von Christiane Tillmann

Dieses Möbel ist ein Stil-Statement! Mit seinem Sessel Proust vereint Alessandro Mendini barocke Formen und impressionistisches Design zu Pop-Art.

Opulente Rundungen und dann on top noch diese wilden, kunterbunt-flirrenden Tupfen mit dem Charme eines LSD-Trips: Allesandro Mendinis Poltrona di Proust, der Proust-Sessel, ist ein Möbel, das man so schnell nicht wieder vergisst. Anders als andere Möbelklassiker gibt er sich nicht mit zeitloser Zurückhaltung zufrieden, sondern punktet in erster Linie mit Extravaganz und einem einnehmenden Wesen. Wer sich den Proust in sein Zuhause stellt, der mag es laut.

Und: Man braucht ein großes Wohnzimmer, denn der Sessel ist alles andere als filigran. Aber wie kommt man als Designer überhaupt auf die Idee, eine Möbelform aus längst vergangenen Zeiten in solch einem Pop-Art-Look zu inszenieren? Alessandro Medini begann bereits 1978 mit einer Möbelserie so genannter Re-Designs, in der er bereits vorhandene Entwürfe, die typisch für ihre Zeit waren, neu interpretierte. Der Proust-Sessel gehörte dazu.

Barock trifft auf Impressionismus

Der bunt getupfte Proust-Sessel steht für Extravaganz und ist in jedem Zimmer ein echter Hingucker
Tupfen für Tupfen der perfekte Sessel fürs Boudoir: Der Proust im originalen Pünktchen-Design.
Foto: Cappellini

Zwei Jahre zuvor hatte der Italiener bereits damit begonnen, für die Marke Cassina ein Stoffmuster zu entwerfen, das eine Hommage an den Schriftsteller Marcel Proust („Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“) sein sollte. Als Mendini dann damit begann, Recherchen über den französischen Literaten anzustellen, stieß er in dessen Umfeld auf die Kopie eines neobarocken Sessels im Stil des 18. Jahrhunderts. Und es hat Zoom gemacht! Crazy Muster plus bürgerlicher Barocksessel verschmolzen im Kopf des Designers zu einer einzigartigen Idee. Und Mendini war so inspiriert, dass er an sein ursprünglich geplantes Stoffmuster einfach noch ein Sessel-Design dranhing.

Um Möbel und Textilien zu verschmelzen, überzog er den Sessel komplett mit einem bunten, handgemalten Tupfenschwarm – und zwar vom Fuß über die Polster bis hin zu sämtlichen Verzierungen. Das Dessin sollte wie ein impressionistisches Gemälde wirken und so den Schriftsteller Proust und seine Zeit zitieren, während das Übermalen sämtlicher Grenzen gleichzeitig ganz poetisch für die Unendlichkeit stehen sollte. Ursprünglich war der Sessel als Einzelstück geplant, wird aber heute von Cappellini bzw. als Outdoor-Variante von Magis in vielen bunten Farbkombinationen hergestellt.

Im Aufmacher: Sessel Proust Geometrica aus dem Jahr 2009 von Alessandro Mendini für Cappellini. Foto: Cappellini

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