EX-Designklassiker

Die Wagenfeld-Leuchte: Die Form des Fortschritts

Opalglas, mundgeblasen und halbkugelförmig, ein runder Standfuß, die kurze Zugschnur, ganz viel Metall oder auch Glas: Die Wagenfeld-Tischleuchte ist ein Meilenstein des Designs – und noch immer erhältlich.

 

Als Wilhelm Wagenfeld im Jahr 1923 zum Bauhaus in Weimar stößt, gehen in der Staatlichen Schule gerade umfassende Reformen vonstatten. Johannes Itten verlässt das Bauhaus und wird vom Konstruktivisten László Moholy-Nagy abgelöst, der frischen Wind nach Weimar bringt. Moholy-Nagy, dessen Schüler Wagenfeld bereits ein Jahr später die berühmte Lampe entwickelt, und der Begründer des Bauhauses Walter Gropius vollziehen zu dieser Zeit eine Hinwendung zur Industrie, die in dem Motto: „Kunst und Technik, eine neue Einheit“ zum Ausdruck kommt. Vorherige Bestrebungen, Handwerk und Kunst wieder näher zusammenzuführen, werden abgelöst und die industrielle Fertigung wird in den Fokus gerückt. Das bedeutet für die Künstler und Schüler der Schule zunächst einmal die Verwendung anderer Materialien: Weg vom Holz, hin zu Metall und Glas – aber auch ein Umdenken hinsichtlich der Gestaltung.

 

Je einfacher die Formen sind, desto besser eignen sie sich für die industrielle (Massen-) Produktion. Zudem entspricht ein klares, ornamentloses Design dem Zeitgeschmack der 1920er Jahre, zwei Aspekte, die sich natürlich auch gegenseitig bedingen. Die Form der Produkte spielt eine große Rolle und soll dem Verwendungszweck, dem Material und den Fertigungsmethoden entsprechen: Praktikabilität, Funktionalität, Industrietauglichkeit und ökonomische Effizienz sind die Kriterien, die an das neue Design angelegt werden. Schnörkellose Oberflächen, die kreisrunde Form, solche Gestaltungen können gut maschinell umgesetzt werden – wobei die Wagenfeldlampe schon immer ein handwerklich gefertigtes Produkt war und den industriellen Fortschritt in Wahrheit nur rein optisch verkörperte. Zwar entstammt das eingesetzte Opalglas der Industrie, ansonsten haben die von Hand gefertigten Leuchten aber kein Fließband je zu Gesicht bekommen.

 

Für Wilhelm Wagenfeld beginnt eine erfolgreiche Laufbahn – er erkennt als einer der Ersten, dass die Produkte der Zukunft seriell gefertigte Massenprodukte sein werden und geht mit seinen kommenden Projekten diesen Weg konsequent weiter. Auch nach dem Umzug des Staatlichen Bauhauses nach Dessau bleibt er in Weimar und beginnt seine Mitarbeit im nahegelegenen Jenaer Glaswerk, wo sein bekanntes Teeservice aus feuerfestem Glas entsteht. Im Jahr 1954 gründet er seine „Werkstatt Wagenfeld“, mit der er bis 1978 Aufträge großer Firmen (Braun, WMF) bearbeitet. Wagenfeld wird zu einem der Hauptvertreter der sogenannten „Guten Form“, einem Design, das Funktionalität, Sachlichkeit und Ästhetik zu einer einfachen, zeitlosen, in diesem Sinne „unmodischen“ Gestaltung zusammenbringen soll, die in der Lage ist, ihre Gültigkeit auch über die Jahre zu bewahren. „Auftrag erfolgreich“ könnte man heute sagen: Die bekannten Salz- und Pfefferstreuer „Max und Moritz“ von WMF, die in jener Zeit entstanden sind, erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit und sind auch heute noch im Handel erhältlich.

 

Wagenfelds berühmte Leuchte wird heutzutage nach den Originalvorlagen Wilhelm Wagenfelds in mehreren Variationen von der Firma TECNOLUMEN hergestellt und sieht noch genauso aus wie die Modelle aus den Zwanzigerjahren. Eine runde Fußplatte aus Metall oder Glas, ein zylindrischer Stab aus vernickeltem Metall oder ebenfalls aus Glas, der charakteristische Lampenschirm, das Kettchen – wer möchte, kann sich ein designgeschichtlich höchst bedeutsames, stilprägendes Produkt ins Haus holen, das garantiert von jedem Design-Interessierten auf den ersten Blick erkannt wird.

 

Text: Simon Kastner

 

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